Mira Magen: Wodka und Brot

Als ich das Buch ungefähr zur Hälfte gelesen hatte, fragte ich mich, wann es denn nun richtig losgeht mit der Geschichte. Nicht, dass bis dahin noch gar nichts passiert wäre, aber irgendwie ergab das Ganze noch keinen Sinn für mich. Um es vorweg zu nehmen: Jetzt, wo ich das Buch durchgelesen habe, ergibt alles einen Sinn oder ist zumindest doch nicht sinnlos. Und es ist auch einfach zu gut geschrieben, um es einfach wegzulegen.

Mira Magén entwirft eine Welt, die auf den ersten Blickganz normal wirkt. Vater, Mutter, Kind - Gideon, ein berühmter Rechtsanwalt, Amia, die Ich-Erzählerin, eine erfolgreiche Bankerin und ihr gemeinsamer Sohn Nadav. Aber dieser erste Blick täuscht, nichts ist normal, aber was ist das schon. Gideon lässt alles stehen und liegen, Amia übernimmt den Lebensmittelladen ihrer verstorbenen Eltern und plötzlich ist alles anders.

Und dann taucht auch noch Madonna auf, eigentlich fällt sie ziemlich besoffen in Amias Küche, sie stiehlt und zahlt in Tieren zurück (eines davon ist der Hund Wodka). Außerdem ist da noch der Herr Levi, der Vermieter des Hauses, der wegen einer tragischen Geschichte einsam und der ganzen Welt böse, in seinem Haus lebt und Amia und ihren Sohn von seinem Fenster aus überwacht. Irgendwann taucht auch noch der Sohn des Herrn Levi auf.

Mira Magén versteht es den Figuren Leben einzuhauchen und sie dem Lesern so nahe zu bringen, dass es ihm am Ende des Buches schwerfällt, sie in ihrer Welt zurückzulassen. In dem Roman setzt sie sich auseinander mit unterschiedlichen Lebensentwürfen, Gott und Religion, Liebe und Freiheit, der Beziehung zwischen Mann und Frau, Krankeit, Leben und Tod. Sie tut in einer einfachen Sprache, die berührt und mitreißt.

"Wodka und Brot" ist ein wunderschön trauriges, aber lebensbejahendes Buch!
 
DTV, ISBN 978-3-423-24923-2, Preis 16,90 Euro

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