Cindy Woodsmall:  Wie Federn im Wind

Cara hatte bisher nichts zu lachen in ihrem Leben. Mit ihrer kleinen Tochter flüchtet sie gerade wieder einmal vor ihrem Stalker. Diesmal verlässt sie New York und fährt mit dem letzten Geld das sie noch besitzt mitten hinein ins Amischland nach Pennsylvania.

Völlig entkräftet legt sie die letzten Kilometer zu Fuß zurück. Ihre Erinnerungen führen sie einem bestimmten Ziel entgegen. Sie erinnert sich an einen bestimmten Baum und sie erinnert sich auch an einen Jungen mit dem sie hier gespielt hatte, kurz bevor sie das Amischland vor vielen Jahren als kleines Mädchen verlassen musste.

Wenn die amerikanische Autorin aus Georgia auch mein heiles Bild von einer friedlichen und gottesfürchtigen Amischgemeinde zerstört, liest sich ihr Roman doch sehr spannend. Bei dieser Entzauberung meines Amischbildes macht Cindy Woodsmall die Amischleute zu ganz realistischen Personen, mit Schwächen und Fehlern wie wir sie alle haben. Für einen Amischroman ist dies nicht das Übliche, vielleicht fällt er gerade deshalb so positiv aus der Reihe.

Die Romanheldin will wissen wer ihre Mutter war. Als sie endlich beginnen kann Fragen zu stellen, trifft sie auf eine Mauer des Schweigens. Sie erfährt, dass sie einen Teil ihrer Familie in diesem Amischort hat. Warum wollen diese Leute sie wieder wegschicken? Warum suchen diese Leute außerhalb des Ortes eine Wohnung für sie und bezahlen die ersten Monatsmieten nur damit Cara und ihre Tochter Lori nur schnell wieder verschwinden?

Den Jungen von einst trifft Cara wieder. Er ist ein Amischmann, sie eine Englische, was für eine Chance hat die Freundschaft von einst? Ephraim nimmt die obdachlose Cara und ihre Tochter in seinem Haus auf. Für sie schläft er in seiner Werkstatt. Zur Strafe für dieses Verhalten, dass gegen die Amischgesetze verstösst, wir er mit dem Bann belegt und darf nicht mehr mit einem anderen Amisch reden.

Dieses Buch fesselt. Die große Spannung besteht zum einen in der Vielzahl von Regeln und Vorschriften einer Amischgemeinde und wie diese, Hilfe und Nächstenliebe beinah unmöglich machen.

Christian Döring

 

Francke Buchhandlung, ISBN 978-3-86827-216-1, Preis 14, 95 Euro

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