Sabine Friedrich: Wer wir sind

 

"Verliere nicht den Glauben an die Gerechtigkeit!"

Zunächst bin ich auf den ersten Seiten dieses bombastischen Romans - und hier liegt das Hauptaugenmerk wirklich auf "Roman" - ein wenig verwundert, dass er im Jahr 1917 in Milwaukee "der deutschesten Stadt Amerikas" beginnt. Eigentlich noch 60 Jahre weiter zurück mit dem Philosophen Henry David Thoreau.

Trotz der etwas über 2000 Seiten ist es kein unendlicher Wälzer. Hat man mit dem Lesen erst einmal begonnen, kann man sich ihm nicht mehr entziehen. Vielen aus dem Geschichtsunterricht bereits bekannten Namen bin ich hier wiederbegegnet. Viele bekannte Geschichten habe ich hier noch einmal zu lesen bekommen, aber ich habe sie gern noch einmal gelesen, weil sie hier erst zur vollen Entfaltung geraten.

Sabine Friedrich hat in jahrelanger Arbeit ein Gesamtwerk geschaffen, in dem nicht nur Bonhoeffers Widerstand gewürdigt wird oder der der von Dohnanyis, hier erscheint alles miteinander verflochten als eine große Bewegung. Natürlich sind die Beweggründe des Widerstandes sehr unterschiedlicher Natur. Der eine berief sich auf die Werte Gottes, der andere wiederum auf die Vaterlandsliebe. Nie zuvor trat mir der Widerstand gegen den Nationalsozialismus so in Romanform entgegen wie in diesem Roman.

Sehr gut auch das Finale des Werkes. Viele Geschichtsbücher enden abrupt im Mai 45. Die Autorin hat sich die Mühe gemacht ihre Helden noch ein paar Jahre weiter zu begleiten. Sehr deutlich wird in diesen Beobachtungen, wie sehr viele der Widerständler danach in ihrer Heimat entwurzelt und sogar angefeindet wurden.

Obwohl Sabine Friedrich keine politischen Fakten unterschlägt, sie alles genau beim Namen nennt, zeigt dieser Roman an sehr vielen Stellen auch die Familien die hinter einem Helden stehen und ohne die so manch ein Held ganz sicher nie Held gewesen wäre.

Sehr zu empfehlen?
 
DTV, ISBN 978-3-423-28003-7, Preis 29,90 Euro

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