Lothar Müller: Weiße Magie

Über das, was uns täglich am meisten umgibt, wissen wir oft am wenigsten. So ist es wohl auch mit dem Papier, das im Zusammenhang mit der zunehmenden Digitalisierung von Schrift zwar irgendwie auch immer mit zur Dikussion steht. Vorrangig geht es aber doch meistens um die Sprache und weniger um das Medium Papier.

Dabei ist dessen Geschichte keineswegs uninteressant oder langweilig, wie Lothar Müller mit seinem Buch beweist. Er zeichnet den "Siegeszug" des Papieres von China über die arabische Welt bis nach Europa nach. Zum einen geht er auf die Geschichte der Papierherstellung ein, die sich, nicht nur, was die "Zutaten" betrifft, veränderte, sondern durch Innovationen auch immer wieder angepasst und verfeinert wurde. Zum anderen verfolgt Müller aber auch die Spuren, die das Papier in der Literatur hinterlassen hat, angefangen bei den Geschichten aus Tausendundeiner Nacht über Goethe bis in die neueren medientheoretischen Auseinandersetzungen.

Natürlich wirft er auch einen Blick auf das Paper als Träger unserer Wissenskultur und verfolgt die Spuren, die es in unserer Sprache hinterlassen hat. Aber er zeigt auch, dass das Papier nicht nur als Medium unserer Wissenskultur fungiert, sondern vor allem in Europa zuerst als Verpackungspapier benutzt wurde.

Den Reiz des Buches macht vor allem aus, dass hier die vielfätige Verwendung in allen gesellschaftlichen Schichten und zu den unterschiedlichsten Zeiten aufgezeigt wird. Da befindet man sich gerade noch in einer der ersten Papiermühlen, um gleich auf der nächsten Seite am Königshof Philipp II. bei dem Studium seiner Akten über die Schultern zu schauen. Ein paar Jahrhunderte später sieht man James Joyce mit Zeitungen und Schere hantieren.

Für all diejenigen, die sich gerne auf spannende, kurzweilige und außergewöhnliche Lesereisen begeben, ist dieses Buch genau das richtige.
 
Carl Hanser Verlag, ISBN 978-3-446-23911-1, Preis 24,90 Euro

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