Eberhard Straub: Wagner und Verdi

Wagner und Verdi sind noch heute bekannte Musikgrößen. Was der Historiker Eberhard Straub in seiner nun erschienen Doppelbiographie vorlegt, erschien mir zunächst ein nicht passendes Experiment. Aber, um es vorweg zu nehmen, geht man der Sichtweise Straubs mit, dann ist diese Biographie eine Huldigung zweier großartiger Komponisten im Vorfeld des großen Jubiläumsjahres 2013.

Beide Musikschaffenden hatten trennendes, aber auch verbindendes. In acht gut lesbaren Kapiteln beschreibt der Autor die politisch unruhige Zeit Mitte des 19. Jahrhunderts. Sicher war es nicht leicht in so einer Zeit als Komponist über Ländergrenzen hinweg zu Ruhm zu gelangen ohne sich dabei vor den Karren einer politischen Strömung spannen zu lassen.

Mutig geht Eberhard Straub ans Werk um Wirklichkeit und Legendenbildung voneinander zu trennen. Höre ich den Namen Verdi erklingt in mir beispielsweise immer sofort sein unsterblicher Freiheitschor. Die Italiener beanspruchten ihn sofort für sich und für ihre nationale Einheit, Verdi hat dies nie so gesagt. Auch beim Berlinhasser Wagner hat der Autor mein Bild über den Komponisten ein wenig zurechtgerückt. So sieht Straub in Wagner einen Freund revolutionärer Ideen, der sich mehr zu Paris als zum deutschen Kaiser neigt. Erst nach seinem Tod glorifiziert Wagners Frau ihren Mann in Richtung nationalistischer Anschauungen, was später bekanntlich von politisch Verwirrten dankbar aufgenommen wird.

Dieses Buch habe ich als wirklich lehrreiches Buch empfunden. Es zeigt deutlich die engen Verbindungen zwischen Kunst und Politik und es zeigt auch, dass der europäische Gedanke nicht erst mit Adenauer und de Gaulle geboren wurde.

Eine gute Einstimmung auf das Jubiläumsjahr 2013, beide Komponisten feiern dann ihren 200.Geburtstag!
 
Klett - Cotta, ISBN 978-3-608-94612-3, Preis 24,95 Preis

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