Stephanie Rapp:  Ungeschminkt in London

Es war mein erstes Buch von Stephanie Rapp, das ich gelesen habe. den Namen hatte ich vorher nie gehört, vielleicht ist es sogar ihr Debüt? Erzählen allerdings kann diese Autorin wie eine alte erfahrene. Hat der Verlag da endlich mal, neben den vielen amerikanischen und englischen Autoren, ein deutsches Erzähltalent gefunden?

Die Autorin erzählt die Geschichte einer jungen Deutschen, die in London allein mit ihren zwei Kindern lebt. Der Junge ist elf, hat spastische Lähmungen, weil er nach der Geburt nicht ordentlich medizinisch versorgt wurde. Der dienstahbende Arzt musste seinen Rausch ausschlafen. Natürlich bekam Anna für ihren Sohn Jack eine ordentliche Summe Schmerzensgeld, aber so schlecht es den Dreien auch ging, Anna rührte dieses Geld nicht an.

Nun nach Jahren probiert Anna wieder ihren beruflichen Einstieg. Als Juristin arbeitet sie für eine Firma, die dringend auf der Suche nach einem Grundstück in London ist.

Mit Jack hat Anna immer mehr Sorgen. Sie hatte dafür gesorgt, dass er in eine normale Schule gehen kann, obwohl er sehr wacklig auf den Beinen ist und schlecht sprechen kann. Er fand keine Freunde und oft wurden Witze auf seine Kosten gemacht.

Aber plötzlich findet Jack einen Ort, an dem er sich wohl fühlt, einen Ort, an dem er akzeptiert wird, so wie er ist. Es ist ein christlicher Jugendtreff.

Beim Lesen denke ich: "Mann, hat diese Story ein Tempo." Das Buch kann ich nun nicht mehr aus den Händen legen, da habe ich das schlechte Cover bereits wieder vergessen.

In dieser Geschichte steckt ein sehr gut aufgebauter Spannungsbogen. Zur Entfaltung kommt dieser als Anna beruflich plötzlich darauf angesetzt wird das gepachtete Grundstück des Jugendtreffs für einen Klienten zu kaufen. Aber damit noch lange nicht genug. Stephanie Rapp setzt noch eins drauf.

Dieses Buch stellt eine absolute Seltenheit dar: Einer unserer frommen Verlage bringt eine deutsche Autorin die sich durchaus mit Lynn Austin oder Tracie Peterson messen lassen kann. Stephanie Rapp muss unbedingt weiterschreiben!

SCM Hänssler, ISBN 978-3-775-15361-4, Preis 14, 95 Euro

 

Stephanie Rapp beantwortete uns in einem Autorengespräch folgende Fragen:

 

 

 

 

Liebe Frau Rapp, soeben ist Ihr Debütroman erschienen. Wie kam es dazu?

 

Auf die Idee zu schreiben kam ich vor ein paar Jahren aus einer spontanen Laune heraus. Völlig unbedarft begann ich mein erstes Romanmanuskript, das jetzt immer noch irgendwo auf meiner Festplatte liegt. Zuvor hatte mich Schreiben nie interessiert. Nach einer längeren Pause schrieb ich dann an einer neuen Idee („Ungeschminkt in London“), und mein Mann und ein paar Freundinnen überredeten mich, das Manuskript einfach mal einzusenden.

 

Ist Ihre Geschichte reine Fiktion oder steckt an der einen oder anderen Stelle auch die Autorin mit drin?

 

Anna und ich haben ein paar Gemeinsamkeiten: Wir haben beide zwei Kinder (meine sind aber noch jünger), auch ich habe zu Hause ein altes braunes Mikrowellengerät, ich war mal in meinen Englischlehrer verliebt und teile Annas Meinung über James Bond.

Und Liams Charakter ist dem meines Mannes in einigen Punkten sehr ähnlich.

 

In Ihrer Story stecken Aktion und Spannung. Sie erzählen drauf los, theorisieren nicht und vermitteln doch christliche Werte. Haben Sie das Schreiben gelernt oder sind Sie ein literarisches Genie?

 

Da muss ich jetzt aber lachen.

Bei meinem ersten Schreibversuch habe ich intuitiv drauflosgeschrieben und ziemlich schnell gemerkt, dass das so nichts wird. Also habe ich mir Bücher über Kreatives Schreiben besorgt und versucht, die Tipps, die bei mir aus den Ratgebern hängengeblieben waren, beim zweiten Manuskript anzuwenden. Den ein oder anderen Tipp habe ich dabei vielleicht auch etwas überstrapaziert ...

 Was machen Sie wenn Sie nicht schreiben, sind Sie berufstätig?

Die letzten Jahre war ich stark in meiner Gemeinde engagiert - vor allem in der Jugend- und Jungen-Erwachsenen-Arbeit. Seitdem ich das Manuskript eingesandt habe, arbeite ich auch freiberuflich als Lektorin.
 
Können wir Leser uns bald auf ein neues Buch freuen oder war “Ungeschminkt in London” etwa nur eine Eintagsfliege?
 
In der Zwischenzeit habe ich als Auftragsarbeit Beiträge für 'Schlunz - das Survivalbuch' von Harry Voß (Hrsg.) geschrieben, das im März erscheinen wird. Momentan mache ich mir Gedanken über einen historischen Roman für junge Leserinnen. Darüber hinaus habe ich noch einige andere Ideen im Kopf - mal sehen, was daraus wird.
 
 
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