Von "gescheiterten Neros" und verkannten Entdeckern

Dieses Buch nimmt sich all der Wissenschaftler an, die zwar auf ihrem Gebiet etwas geleistet haben, aber anschließend nicht im verdienten Rampenlicht der Öffentlichkeit standen und denen auch nie Lobeshymnen gesungen wurden.

Als besonders tragisches Beispiel beschreibt der Wissenschaftsjournalist Thomas Bührke den Kampf des Wiener Arztes Ignaz Semmelweis gegen das Kindbettfieber. Lange beobachtete der junge Mediziner und überlegte wie es wohl sein könne, dass so viele Mütter sterben. Aber der junge Assistenzarzt begriff plötzlich, dass die Ärzte selbst für den Tod verantwortlich waren, ja ihn sogar selbst zu den Frauen brachten. Sie unterschätzten nämlich die an ihren Händen klebenden Cadavertheile. Als Semmelweis dann die Reinigung der Hände mit verdünnter Chlorlösung anordnete, sank die Sterblichkeitsrate sofort deutlich.

Lob und Dank gab es dafür nicht von den alteingesessenen Ärzten, für sie muss die Entdeckung von Semmelweis wie ein Schlag ins Gesicht gewesen sein. Wie konnte dieser junge Assistenzarzt ihnen etwas vormachen wollen, was ihnen schon seit Jahren nicht gelang? Unter bis heute nicht geklärten Umständen wurde Semelweis kurze Zeit später nach seiner entdeckung in eine Irrenanstalt gebracht. Zwei Wochen später war er tot.

Ein anderes Beispiel aus der Wissenschaft. 1895 fragte Ludwig Boltzmann in Lübeck: Gibt es Atome? Auf einer Tagung kam es zum offenen Wortgefecht zwischen Energetikern und Atomisten. Aber die Zeit war längst nicht reif um sich unter den einflussreichen Wissenschaftlern mit Atomen beschäftigen zu wollen. Der berühmte Max Planck sagte zu der Situation in Lübeck: "Gegen die Autorität von Männern wie Ostwald, Helm und Mack war eben nicht aufzukommen."

Thomas Bührke zeigt in seinem Buch, dass eine erfolgreiche Entdeckung nicht zwingendermaßen Anerkennung und Ruhm und Ehre nach sich ziehen muss!

dtv, ISBN 978-3-423-24928-7, Preis 14,90 Euro

 

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