Salman Rushdie: Joseph Anton: Autobiografie

Zunächst dachte ich bei dieser Salman - Rushdie - Autobiografie wie kann das denn sein, wie kann der Autor denn ein gewisser Joseph Anton sein? Aber dann löste sich das Rätsel doch schnell auf. Der Autor wurde von der Polizei gebeten sich einen Decknamen zuzulegen und so überlegte er sich eine Vornamenkombination seiner beiden Lieblingsschriftsteller Conrad und Tschechow.

Rushdies Aufzeichnungen beginnen mit dem Anruf der BBC - Reporterin, die ihm mitteilt, dass er gerade von Khomeini zum Tode verurteilt wurde. Er nimmt seine Leser mit hinein in sein Denken und Fühlen, in seine Überlebensängste und in den Beginn seines Lebens in Verstecken und mit ständigen Begleitern in Uniform.

Was den Reiz dieses Buches für mich ausmacht ist der Umgang mit dem Islam. Rushdie versucht einen Weg zu finden wie er mit und über den Islam spricht. Selbsverständlich tut er dies sehr subjektiv, aber dafür ist es eine Autobiografie. Bis zum heutigen Tag steht der Autor einem übermächtigen, weil oft unsichtbaren Feind gegenüber.

In seinem Buch holt sich Rushdie selbst vom hohen Sockel auf dem ich ihn bislang immer sah. Verblüffend offen spricht er über seine Frau mit der er erst ein Jahr verheiratet war und doch schon wusste, dass diese Hochzeit ein Fehler war. Der Autor beschreibt Höhen und Tiefen die ins Leben eines jeden Menschen gehören. Das Besondere bei Rushdie ist halt das immer noch bestehende Todesurteil, aber doch ist er mit diesem Buch für mich mehr Mensch geworden.

Sehr zu empfehlen!
 
C. Bertelsmann, ISBN 978-3-570-10114-8, Preis 24,99 Euro

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