Ralph Dohrmann war mir bislang nicht als Autor bekannt. Aus Liebe zu Norddeutschland habe ich mich dann doch an seinen Bremen-Roman gewagt und wurde mit einer Vielzahl von Geschichten und Eindrücken dafür belohnt.

Im Zentrum seines Romans steht Willem. Er ist der Sproß einer alteingesessenen Maschinenstrickereifirma. Nach dem II. Weltkrieg wird er geboren und ich als Leser erlebe nun mit, wie sich Firma und Familie Kronhardt & Sohn verändern, wie Maschinen gleichmäßig im Takt arbeiten, um den Umsatz zu steigern. Ich erlebe die lokalen Veränderungen einer Stadt und die Auswirkungen der großen Politik bis zur Basis hinunter, bis in die eigene Familie hinein.

Und immer wieder ist da Willem, dem scheinbar alle Tore als Firmenerbe offen stehen. Das Buch veranlasst seine Leser zum Nachdenken über das beschreiten von eingetretenen Pfaden, auch über das neugierig sein auf neue Wege und das späte Erkennen, doch vieles nicht gewagt zu haben. Es ist die Vielzahl von Geschichten und Bildern, die mich am Erzählstil von Ralph Dohrmann faszinieren.

Mit Willem in diesem Buch Lebensjahrzehnte zu durchschreiten, hat letztlich auch sehr viel mit mir als Leser zu tun. Deutsche Geschichte vorbeiziehen zu lassen, egal ob nun die '68er Debatte oder die '89er Wende, hat mit jedem Leser direkt oder indirekt zu tun. Letztlich ist es dann auch egal, ob Willem im Mittelpunkt der Geschichte steht oder ich ihn nur als Symbol für mich selbst sehe.

Dohrmann hat es geschafft mich dazu zu bringen, dass ich mich aufs Neue mit meiner Geschichte, im Großen wie im Kleinen neu beschäftigt habe.

Ein wunderbares Debüt. Von Ralph Dohrmann erwarte ich in Zukunft noch sehr viel!
 
Ullstein, ISBN 978-3-550-08878-0, Preis 24,99 Euro

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