Marco Politi: Benedikt Krise eines Pontifikats

 

Bücher mit dem Papst vorne drauf verkaufen sich immer gut. Aber dieses Cover ist besonders gut gelungen. Es drückt sehr viel von dem aus was der Autor zu sehen glaubt. Der Papst ist noch zu sehen, schaut aber nicht hinaus in die Welt, sondern leider nur in seinen heimischen Gemächern mit seinem Blick.

Extra für die deutsche Ausgabe hat der Papstkenner Marco Politi eine kurze Einführung geschrieben, die mit dem Satz "Letzten Endes ist Joseph Ratzinger eine tragische Figur." endet. Der Autor schildert Krisen und Skandale der katholischen Kirche in Deutschland und sieht die Unfähigkeit des Papstes darauf zu reagieren.

Das gesamte Buch liest sich leicht und flüssig, viel neues habe ich in ihm nicht entdecken können. Letztlich geht es in allen vom Autor angesprochenen Themen für mich um die Frage wer genau der deutsche Papst ist. Versteht er sich als Bewahrer und Mahner seiner Kirche oder ist er doch nur die tragische Figurdie der Autor sieht? Der Autor wirft Ratzinger vor nicht über den eigenen Tellerrand schauen zu wollen und damit zukunftsfähige Wege, sprich Reformen, zu ermöglichen. Diese Herangehensweise an dieses Buch ist spannend, wird aber nicht durchweg durchgehalten. Mir fehlen Informationen wie Ratzinger Reformen ablehnt, weil er sie nicht will oder weil er mit seiner Kirche nicht Opfer der Beliebigkeit oder des Zeitgeistes werden will. Hier hätte der erfahrene Journalist nachbessern müssen.

Letztlich bleibt eine Wertung zu diesem Buch und zu Ratzinger überhaupt immer abhängig vom eigenen Standpunkt. Dieses Buch habe ich gern gelesen, glaube aber, dass der Autor nicht ganz fair mit dem Papst umgeht.

Hier wird in ganz besonderer Weise des Lesers Standpunkt gefragt sein. Auf alle Fälle ist dieses Buch eine äußerst spannende Lektüre!

 

Rotbuch, ISBN 978-3-86789-171-4, Preis 19,99 Euro

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