Rebecca Hunt:  Mr. Chartwell

Auf den ersten Seiten dieses Romans dachte ich mir: "Welch ein durchgeknalltes Buch." Für anderthalb Seiten bin ich im Schlafzimmer des britischen Premiers Winston Churchill zu Gast und bin Zeuge seines Aufwachens morgens um 5.30 Uhr. Der Gute schläft getrennt von seiner Frau und fühlt sich von etwas belauscht, das ihn dreckig angrinst.

Damit werde ich nun allein gelassen und Rebecca Hunt eröffnet ihren zweiten Erzählstrang. Da geht es jedoch nicht weniger durchgeknallt zu. Esther sucht für ihr Haus einen Untermieter. Leider hat sich nur ein Bewerber gemeldet und der steht jetzt vor ihrer Haustür. Esther, die junge Witwe, öffnet die Tür und, sie und ich, wir sind beide geschockt. Der Bewerber ist ein großer, schwarzer, stinkender Hund. Ich frage mich, was soll diese Art von Literatur? Dennoch lese ich weiter, weil mich die Autorin trotz allem mit ihren beiden Geschichten irgendwie fasziniert.

Esther, die als Bibliothekarin arbeitet, und auch Mr. Chartwell, der Hund, haben in ihrem Berufsalltag Berührungspunkte von denen sie noch nichts ahnen. Beide dienen dem Premier. Und dort führt die Autorin ihre zunächst getrennt geschriebenen Erzählstänge langsam zusammen. Britischen Humor lässt sie mit persönlichen Informationen aus Churchills Leben aufeinandertreffen und gibt dabei Acht, dass ihr Roman keineswegs zur Schnulze verkommt.

Ganz langsam und mit viel Feingefühl steuert Rebecca Hunt auf den Höhepunkt ihrer Story zu, ihm ordnet sie alles unter, wie die Krönung ihres Buches präsentiert sie ihn im Aufeinandertreffen von Esther und Winston Churchill.

Voller Humor und Nachdenklichkeit, kurz gesagt, ein literarisches Meisterwerk!

Luchterhand Literaturverlag, ISBN 978-3-630-87347-3, Preis 18, 99 Euro

 

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