Michail Chodorkowski / Natalija Geworkjan: Mein Weg

Michail Chodorkowski will hier nicht etwa seine Autobiografie vorlegen, er meint dafür wäre es noch viel zu früh. "Politisches Bekenntnis" nennt er sein Buch.

Im Wechsel mit der in Frankreich lebenden russischen Journalistin Natalja Geworkjan schreibt Chodorkowski über sein bisheriges Leben. Er schreibt über sich, seinen Aufstieg und Fall, seine Haftbedingungen, seine ersten Blicke als Politiker hinter die Kulissen und sie beschreibt im Weiteren Entwicklungen und tiefer gehende politische Betrachtungen.

All dies liest sich spannend, keine Frage, aber, ich habe selbst einmal in einer Diktatur gelebt, habe sehr genau von Klein auf an zu unterscheiden gelernt, wo ich wann, wie etwas zu sagen habe. Die Diktatur in der Chodorkowsi inhaftiert ist, schätze ich als noch gefährlicher ein. Schreibt er wirklich frei von der Leber weg, wie er denkt und fühlt? Gibt es da nichts was man in einem erneuten Prozess gegen ihn verwenden könnte?

Ich will nicht behaupten, dass er lügt oder beschönigt, aber ich möchte darauf hinweisen, dass ich zumindest Texten eines Inhaftierten, über dem jederzeit der Tod schwebt, mit Vorsicht begegne. Vielleicht haben wir eines Tages Gelegenheit eine wirkliche Autobiografie von Michail Chodorkowski zu lesen.

Lesenswert war dieses Buch aber dennoch. Beide Autoren zeigen in aller Deutlichkeit, wie sich der russische Koloss unverändert undemokratisch vorwärts wälzt und dabei auch über Leichen geht.
 
DVA, ISBN 978-3-421-04510-2, Preis 22,90 Euro

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