Ernst Augustin: Robinsons blaues Haus

Ehrlich - auf dieses Buch bin ich wegen seines Covers aufmerksam geworden. Dieser alte Mann mit den weißen Haaren und geschlossenen Augen, der vor einem eigenartigen Gebilde aus Türmen und Felsen sitzt - und dann die Farben - grau, blau, gelb. Was das wohl für eine Geschichte ist!? (Auch die Rückseite ist ungewöhnlich - alles ist quer aufgedruckt)

Aber zum Inhalt des Buches: Der Ich-Erzähler scheint ein eigenartiger Außenseiter zu sein. Er führt ein unstetes Leben, ist mal in der einen Metropole zu Hause, mal in der anderen, aber auch in Grevesmühlen hat er eine Besenkammer gemietet. Besenkammern, dunkle kleine Räume, nicht leicht zu finden , das sind seine Unterkünfte in den jeweiligen Städten. Und sie sind immer gleich ausgestattet: mit der gleichen Holzvertäfelung, dem gleichen bernsteinfarbenen Licht,...

Übers Internet unterhält sich dieser Kauz mit seinem Freitag, er selbst nennt sich Robinson. Immerwieder setzt er sich mit seiner Vergangenheit auseinander, mit seinem Vater, der in nicht ganz saubere Geldgeschäfte verwickelt war, mit seinem Verhältnis zu ihm, aber auch zu seinen Schulkameraden, vor denen er sich in den Färbergraben hinter dem Haus flüchtete. Sein Vater hinterlässt ihm zwei Verfolger. Geht es ihnen um das Geld?

Dieses Buch ist eine Reise durch die unterschiedlichsten Räume, gewöhnliche, aber vor allem ungewöhnliche - es ist ein Buch über Geld und Geldgeschäfte und über das Leben als Außenseiter. Es ist ein bisschen verquer, nicht einfach zu durchschauen, aber gerade deswegen nie langweilig zu lesen, obwohl es nicht einfach geschrieben ist, sehr poetisch, ein bisschen bernsteinfarben - bekommt auf jedenfall eine Leseempfehlung.

C.H.Beck, ISBN 978-3-406-62996-9, Preis 19,95 Euro

 

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