Elisabeth Büchle:  Der Klang des Pianos

 Inzwischen ist es der siebte Roman der Autorin Elisabeth Büchle. Pünktlich zum 100. Jahrestag des Untergangs der Titanic legt sie ihr Buch vor, welches eng mit der Geschichte dieses Schiffes verbunden ist.

Wer allerdings  einen großen Schreckensroman über die letzten Minuten der Titanic erwartet, wird sich enttäuscht sehen. Die Autorin beginnt ihre Story in Freiburg im Breisgau. Richard ist Instrumentenbauer der Orgelbaufirma Welte, die widerum ihre Instrumente in die Titanic einbauen sollte. Plötzlich stellt sein Arbeitgeber ihn für ein paar Tage frei, um für die englische Verwandte, die zu Besuch kommt, zu dolmetschen.

Richard schlägt nichts ab, kommt er doch aus einfachsten Verhältnissen und ist sehr ehrgeizig, will sich nach oben arbeiten. Mit zehn Jahren verlor er seinen Vater, hat erfahren was Hunger ist und kennt genau sein Ziel. Eines Tages will der  27-jährige zu den besseren Kreisen gehören.

Als er dann die junge Irin Norah kennenlernt, ihr Freiburg und den nahegelegenen Schwarzwald zeigt, erlebt Richard, dass man die Welt auch anders sehen kann.

Geschickt und neugierig machend, wirft die Autorin mehrmals Szenen ein, in denen dunkle Gestalten Norah beobachten. Dies gipfelt in einem Mordanschlag.

Monate später bekommt Richard von seiner Firma den Auftrag nach Belfast zu reisen, es geht um Teile der Orgel die während des Transportes Schaden genommen haben. Unverhofft trifft Richard Norah wieder. Er lernt sie neu kennen. So viel Armut und Elend wie er bei den Freunden von Norah sieht, hat Richard noch nie erlebt. Gemeinsam mit Norah und ihren Freunden besteht er so manch ein Abenteuer so gut wie unbeschadet.

Allein bis dahin hätte die Story ein prall gefülltes gutes Buch ergeben können. Aber Elisabeth Büchle hat ihren Roman viel breiter angelegt, denn Norah kämpft nicht nur gegen mächtige Feinde, sondern ist als Stewardess auch auf der Titanic . . . 

In diesem Wälzer steckt so ziemlich alles drin: Da ist die Erfahrung verarbeitet, dass es nicht gut gehen kann, mit dem immer höher und immer besser . . . da ist aber auch die großartige Liebesgeschichte zweier Menschen die in ihrer Unterschiedlichkeit zur richtigen Einstellung zum Leben finden, aber da bleibt die große Ungewissheit . . .

 

Elisabeth Büchle hatte für buecherveraendernleben Zeit und hat uns folgende Fragen beantwortet: 

 

Hallo Elisabeth, in wenigen Tagen erscheint Dein siebter Roman. Wie fühlt sich da die erfahrene Schriftstellerin?

 Sie fühlt sich wie ein kleines Kind kurz vor Weihnachten: Aufgeregt, ungeduldig und voll gespannter Vorfreude. Von der „erfahrenen“ Schriftstellerin bleibt da, so fürchte ich, nicht sehr viel übrig!

Es ist jedes mal ein berauschender Moment, ein Buch das erste Mal in der Hand zu halten, und gleich darauf folgt eine Zitterpartie, bis die ersten Leserstimmen eintreffen und es sich herausstellt, ob zumindest einem Großteil der Leser dieser neue Roman zusagt.

 Auch in diesem Roman steht wieder eine große Liebesgeschichte im Mittelpunkt. Ist da die Titanic nur literarisches Beiwerk oder gibt es für den Leser auch historische Fakten?

 Ich drückte es mal lieber so aus: „Der Klang des Pianos“ enthält eine  wunderschöne Liebesgeschichte, die rund um die Entstehung und den Untergang des „Mythos“ Titanic eingeflochten ist. Historische Daten (Baudaten, Details der drei Schwesternschiffe) und Personen (Welte, Bokisch, Andrews, Lord Pirrie…) spielen ebenso eine Rolle, wie auch historische Orte (Firma Welte in Freiburg, Belfast, Southampton…) und natürlich einen möglichst richtig wiedergegebenen Hergang des Unglücks. Dabei war es nicht immer leicht, fundiert überlieferte Details von einer Art Glorifizierung oder schlichtweg falschen Fakten auseinander zu halten. Ich denke aber, es ist mir - dank guter Rechercheliteratur - ganz gut gelungen, die damaligen Vorkommnisse in eine spannende Romanhandlung einzuflechten. 

 Ist es für Dich eigentlich eine Reduzierung, wenn man über dich sagt: Ja, die Büchle, die schreibt einen Liebesroman nach dem anderen?

Eine Reduzierung? Nein, weshalb? Ist etwas Verwerfliches daran, Bücher zu schreiben, die Liebesgeschichten beinhalten? Ich möchte mit meinen Büchern die Menschen unterhalten, sie ein wenig aus ihrem Alltag, der ja nicht immer nur rosarot ist, herausnehmen und in eine andere Welt eintauchen lassen. (Und auch dort geht es nicht immer nur zu wie auf einem Ponyhof!) Durch meine Bücher versuche ich - neben der Unterhaltung - Historie lebendig werden zu lassen und dadurch das weiterzugeben, was „Geschichte“ bezwecken sollte: ein Lernen aus den Fehlern, die die Menschen in ihrer Zeit begangen haben – damit wir es heute anders, besser machen. Dies erfordert eine Menge Disziplin und Recherchearbeit, die man dem Buch später gar nicht mal unbedingt ansieht, da nur etwa 10 % von dem, was ich an Geschichtsfakten, Details rund um das Sozialverhalten der Menschen damals, an Gebrauchsgegenständen, Kleidungsstücken der jeweiligen Epoche usw. „erlerne“ auch im Manuskript aufgenommen wird.

Und ganz nebenbei versuche ich in meine Texte kleine Impulse einzustreuen, von denen ich hoffe, dass sie die Leser zum Nachdenken über ihr Leben, über „Gott und die Welt“ anregen. Ein Roman kann also durchaus mehr sein, als nur eine platt erzählte Liebesgeschichte zweier Menschen.

Auf Deinem Blog verrätst Du Deinen Lesern, dass Du bereits am nächsten Manuskript arbeitest. Magst Du uns schon etwas verraten?

In meinem Blog verrate ich immer wieder kleine Details über das, was ich gerade schreibe. Allerdings erfordert es ein gewisses Geschick, nicht zu viel zu verraten. Dies gilt vor allem dann, wenn ich an einem Manuskript arbeite, bei dem der Verlag ein bestimmtes Thema wünscht. Diese „bestellten“ Bücher sind meist auf ein Ereignis ausgerichtet (so wie damals das „Mädchen aus Herrnhut“ zum Zinzendorfjubiläum erschien) und unterliegen deshalb einer gewissen Geheimhaltung. So ist es auch diesmal, weshalb ich mich mehr als sonst in Schweigen hülle. Kleinere „Details“, die ich so während des Schreibprozesses verrate, dürfen aber gerne auf dem Blog, bzw. auf meiner Facebook-Seite eingesehen werden. Es ist immer wieder spannend für mich zu beobachten, wie die Leser/Innen mitfiebern und miträtseln!

ein paar Tage später . . .

Ein paar Tage sind vorbei. Wir fühlt man sich nun mit dem siebten Kind im Arm?

Im Grunde ist das ja mein 12. Kind, und es fühlt sich einfach großartig und wundervoll an. Wie immer! Allerdings mus ich ehrlich sagen, dass mir die Kinder aus Fleisch und Blut doch um Vieles wertvoller sind als die aus Papier! Dennoch werden diese in den letzten Tagen nicht ganz so oft in den Arm genommen wie das Buch! Aber das ändert sich auch wieder.

Gab es schon erste Leserreaktionen?

Da keiner so schnell liest wie Du (!), gab es bisher nur die obige Rezension, für die ich mich ganz herzlich bedanke. Deshalb lebt die Spannung weiter und die Hoffnung, verbunden auch mit der Bitte, weitere Rückmeldungen zu erhalten. Denn nur durch diese kann ich sehen, was bei den Lesern geünscht ist, was gefällt - oder auch nicht. Ich warte also mehr oder weniger geduldig und aufgeregt auf neue Leserstimmen.

Wirst Du mit Deinem Buch jetzt auf große Lesereise gehen?

Eine große Leserreise wäre auch einmal spannend, allerdings mit einem großen organisatorischen Aufwand verbunden. Mal sehen, ob sich dahin gehend etwas tut. Die letzten Jahre war ich etwa auf 12 bis 18 Lesungen/Veranstaltungen pro Roman. Sie fanden von der Schweiz bis hinauf nach Bremen statt und waren jedes Mal wunderschöne Events, bei denen ich tolle Leute kennenlernen durfte. Im Moment habe ich mehrere Anfragen zu Lesungen und bereits vier feste Termine. Interessierte dürfen mich gerne anschreiben, die Mailadresse ist im Impressum meiner Homepage zu finden, bzw. sich auch an den Verlag Gerth Medien wenden.

Dir liebe Elisabeth und Deinem Buch alles Gute ! 

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