Ines Geipel: Der Amok - Komplex

Auch wenn Ines Geipel sehr genau, Minute für Minute die Amokläufe von Erfurt, Emsdetten, Winnenden und der Insel Utoiya rekonstruiert, ist dieses Buch weit mehr als nur eine Beschreibung des jeweiligen Tatherganges.

Die studierte Soziologin schaut sehr genau auf die jugendlichen Täter und bleibt längst nicht im Gesülze von einer traurigen Kindheit der Täter stecken.

Auch die Erziehung die die Täter von ihren Eltern bekommen haben, analysiert die Autorin sehr genau. Das Problem der Täter beginnt für Ines Geipel bereits beim nicht Zurechtfinden der Eltern in unserer Leistungsgesellschaft. Die Eltern sind oft in Mechanismen verfallen die von Höchstleistung erbringen müssen und ja nicht auffallen wollen bestimmt werden und genau so erleben ihre Kinder sie Jahr für Jahr. Und da Vorleben ja bekanntlich die beste Form der Erziehung ist, übernehmen die Kinder ungewollt die Verhaltensweisen ihrer Eltern.

Das klingt zunächst einleuchtend und liest sich interessant. Obwohl, müssten wir dann nicht viel mehr Amokläufer im Land haben?

Da spricht die Autorin außerdem noch vom Zusammenfallen verschiedener ungünstiger Umstände. Das Schlimmste was dann passieren kann, ist die Flucht der Kinder in die moderne Computerwelt, die widerum zur beinah tödlichen Gefahr wird, wenn das Kind vereinsamt und selbst nicht mehr fähig ist, die Computerwelt von der umgebenden Realität zu unterscheiden.

Ein höchst interessantes Buch, dass bis in unseren Alltag eingreift!

klett-cotta, ISBN 978-3-608-94627-7, Preis 19, 95 Euro

 

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