Jussi Adler-Olsen: Das Washington-Dekret

 

Durch die ersten 60 Seiten dieses neuen Thrillers von Adler Olsen habe ich mich mehr hindurchgequält, als denn einen Lesegenuss erlebt. In den verbleibenden 480 Seiten beweist der dänische Autor dann allerdings erneut, warum er mittlerweile Kultstatus besitzt. Die Handlung ist temporeich, der enorme Spannungsbogen wird sehr lange durchgehalten und was mir speziell in diesem Buch gefallen hat: Olsen weiß um die Ängste und Sorgen seiner Leser und genau diese greift er im "Washington Dekret" auf.
 
Weder Autor noch Verlag konnten ahnen das dieser politische Thriller wenige Wochen nach einem erneuten Amoklauf an einer amerikanischen Schule erscheinen würde. Wir Leser haben noch die Bilder von Obama vor Augen, wie er mit den Trauernden mitleidet, sich an der Verschärfung der amerikanischen Waffengesetze abmüht und den Widerstand der Konservativen und der Waffenlobby zu spüren bekommt. Die Kriminalität allgemein in Amerika wächst. Die Gesellschaft wird immer mehr zum Beobachter degradiert. Und genau in dieser Entwicklung holt uns Adler Olsen als Leser ab und zieht uns in sein Buch hinein.
 
Dort hat der neu gewählte amerikanische demokatische Präsident Jansen gerade seinen Wahlsieg gefeiert und am Wahlabend auf der Wahlparty wird seine hochschwangere Frau ermordet. Das noch ungeborene Kind kann nicht gerettet werden. Jansen gerät in eine tiefe Krise. Schon vor 16 Jahren hat er seine erste Frau durch ein Attentat verloren.
 
Nach Wochen der Trauer meldet sich Präsident Jansen mit dem "Washington Dekret" zurück in die Öffentlichkeit. Mit undemokratischen Mitteln will er den gesellschaftlichen Entwicklungen entgegenwirken. Er will unter anderem eine Zensur der Medien und er will sofort Munition in der Bevölkerung einsammeln. Weiter beginnt er am Gesetz vorbei mit der Hinrichtung der vielen Todeskandidaten die zum Teil jahrelang in ihren Todeszellen sitzen und auf ihre Giftspritze warten. Für andere Gefangene will Präsident Jansen eine Amnestie. Die finanziellen Mittel, über die der Justitzminister verfügt, überschreiten längst die Mittel, die in die Schulbildung gesteckt werden.
 
Sehr geschickt verbindet der Autor politische Fakten, das "Washington Dekret" wurde beispielsweise nach den Anschlägen vom September 2001 tatsächlich geschrieben, mit literarisch meisterlich umgesetzten Handlungssträngen.
 
Dieser Politthriller wird zum Bestseller werden, weil er thematisch genau auf die gegenwärtigen Ängste der Leser eingeht!
 
 
DTV, ISBN 978-3-423-28005-1, Preis 19,90 Euro

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