Willi Jasper: Carla Mann

 

Die Manns - eine "verrottete" Familie?

Die gerademal 28 Jahre alte Schauspielerin Carla Mann nimmt sich das Leben und beim Lesen dieses Buches habe ich den Eindruck, dass die Familie Mann das Kapitel Carla gar nicht schnell genug abschließen konnte. Sicher, auf den ersten Blick hatte Carla sich in Männergeschichten verwickelt. Ihr Verlobter wurde plötzlich von seiner Familie für eine andere vorgesehen und hatte wohl nicht genug Kraft zu seiner Liebe zu stehen, wenn es denn Liebe war. Carla hatte zeitgleich auch Beziehungen zu einem anderen Mann.

Willi Jasper allerdings schaut genauer hin. "Die verrottete Familie" ist ein Kapitel seines gut recherchierten Buches überschrieben. Besonders die Mutter hat von klein auf für die damals übliche Rollenverteilung gesorgt. Bildung hielt sie nicht für schlecht, Schreiben durfte Carla auch, aber bitte nur für den Hausgebrauch. Mehr als einmal hörte Carla, dass ihre Brüder "Schönes" für das Volk schreiben.

Die Manns waren eine besondere Familie und dies in vielerlei Hinsicht. Viel wurde bereits über sie geschrieben. Über die vielen Selbstmorde innerhalb der Familie, auch über Intrigen und Zusammenhalt. Nach dem Suizid von Carla meinte Thomas beispielsweise: "Sie hatte bei ihrer Tat kein Solidaritätsgefühl, nicht das Gefühl unseres gemeinsamen Schicksals."

Dieses Buch lässt mich erschrecken. Jasper beschreibt die Manns in aller Tiefe. Eine Familiengeschichte deren Weg immer wieder von Suizid begleitet wird. Eine Familie bei der so viel auf heile Fassade wert gelegt wurde, dass sie vielleicht gerade deshalb immer wieder Opfer forderte.

Nach diesem Buch bin ich mir sicher, Carla Mann ist nicht nur ein Opfer ihrer unglücklichen Liebe!
 
Propyläen, ISBN 978-3-549-07406-0, Preis 19,99 Euro

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