Theodor Buhl:  Winnetou August

 

Vom Aussehen des Covers her ist dieses Buch wohl nicht gerade als einladend zu bezeichnen. Neugierig jedoch macht es schon.

Schlägt man das Buch dann erst mal auf, nimmt es den Leser sofort in seinen Bann. Der mir bis dahin unbekannte Theodor Buhl beschreibt mit geradezu sprachlicher Schönheit eine erschütternde Familiengeschichte, die von Flucht und Vertreibung vor mehr als 60 Jahren berichtet.

Neben dem Familienvater ist für mich die stärkste und zugleich berührendste Figur dieses Romans der 8 - jährige Sohn Rudi. Er erlebt mehr als Kinder erleben dürfen: Raub, Mord, Vergewaltigung, Bombennächte . . .

Quasi aus psychischer Notwehr heraus rettet sich Rudi in die Indianerwelt eines Karl May. Winnetou wird zum Mythos, der zwischen Fiktion und Realität zu Rudi Zutritt hat. Mit Hilfe dieses Mythos überlebt Rudi die Flucht aus seiner Heimat Schlesien nach Dresden und dann, nach dem dortigen Bombenhagel, immer weiter gen Westen.

Beim Lesen denke ich mir: Dieses Buch ist Geschichtsunterricht für Jugendliche von heute. Sie sollten dieses Buch lesen, damit erlebbar wird, wohin Hass und Größenwahn führen können.

Der Autor betreibt hier keine Schuldzuweisungen, er legt Geschichte offen, macht Bestandsaufnahme und erzählt mit diesem Buch den heutigen Jugendlichen was einmal wahr. Dies ist und bleibt notwendig.

So ganz nebenbei, fast unbemerkt ist aus dem Jungen Rudi ein junger Mann geworden. So wie dieser wuchs Theodor Buhl in Westdeutschland heran. Buhl studierte an der Kunstakademie in Düsseldorf und an der Universität Köln. In diesem vorliegenden Buch steckt sicher viel Biografisches, aber mit Sicherheit ist es ein Buch voller Weisheit.

 

Christian  Döring

 

Eichborn, ISBN 978-3-8218-6118-0, Preis 19, 95 Euro

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