Franz M. Wuketitis:   Wie viel Moral verträgt der Mensch?

 

Gibt es den Werteverfall tatsächlich oder blicken wir wieder einmal zu pessimistisch in die Zukunft? Noch eine andere Frage stellt der Autor seinen Lesern: " . . . ist der Mensch überfordert, weil er möglicherweise weniger Moral verträgt, als er sich selbst verordnet ?"

Zunächst stellt Wuketitis fest, dass der Mensch so wie alle anderen Lebewesen ein Egoist ist. Zuallererst geht es ihm ums Überleben und dazu muss er sich Ressourcen erobern. Der Mensch ist allerdings auch ein Lebewesen, das nur im Miteinander mit anderen Menschen überleben kann und der sein Verhalten und Handeln kritisch reflektieren kann. Aus diesem Miteinander der Menschen hat sich das gegenwärtige Wertesystem entwickelt.

"Wir Menschen sind keine Engel. Dass jeder von uns in erster Linie das eigene Wohlergehen beziehungsweise das Wohlergehen seiner eigenen Familie, seiner engsten Verwandten und dann seiner guten Freunde im Sinn hat, kommt aus biologischen Gründen nicht überraschend." meint der Autor. Soll dies bedeuten wir können nichts für unseren Egoismus  -  also nur weiter so ?

Wuketitis beantwortet diese Frage nicht eindeutig mit nein. So wie er behauptet unsere Normen seien nicht eines Tages vom Himmel gefallen und auch keine Naturgesetze, sondern "menschliche Konstruktionen", so tritt er dafür ein, dass sich unsere Werte entwickeln, so wie auch wir Menschen uns weiter entwickeln.

Da bringt er auch sogleich ein Beispiel für verselbstständigte Werte und Normen "indem sie  -zum Beispiel in der jüdisch - christlichen Tradition-  zu Gegebenheiten stilisiert wurden, denen ein höherer, göttlicher Ursprung beigemessen wurde". Auch auf die zehn Gebote geht der Autor ein und sagt auch sie kommen nicht "von oben her" sondern resultieren aus dem Zusammenleben der Menschen.

Für Franz M. Wuketitis geht die Welt nicht gleich Morgen wegen des Werteverfalls unter. Egoismus und Unmoral hat es immer gegeben, wir sollten aber eben nicht vergessen neue Moralvorstellungen genau zu definieren. So vermisst der Autor eine genaue Formulierung der Wertevorstellungen, die die 500 Millionen Europäer miteinander vereint. Wir hören oft das Wort "europäische Wertevorstellungen" so Wuketitis, aber genau formuliert, die Definition in unseren Alltag geholt, dies hat noch keiner. Vielleicht ist es ja gerade das was uns fehlt.

Mein Fazit: Gewagte aber gute Thesen, die sich gut lesen lassen und über die man gut diskutieren kann um weiter gut Miteinander zu leben.

 

Christian  Döring

 

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-5790-675-44, Preis 17, 99 Euro

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