Mohamed ElBaradei:  Wächter der Apokalypse

Dem politisch Interessierten ist Mohammed ElBaradei gut bekannt. Als Chef der internationalen Atomenergieorganisation IAEO hat der Friedensnobelpreisträger mit den Mächtigen der Welt gesprochen, wurde von ihnen enttäuscht und sicher auch hin und wieder zum Narren gehalten. 

In diesem Buch ermöglicht der Autor seinem Leser das hinter die Kulissen schauen. Dies ist spannend. ElBaradei ist anzumerken, dass er keine Sensationen enthüllen will, sondern das es ihm darauf ankommt den Leser verstehen zu lassen, warum selbst langwierige Verhandlungen oftmals scheitern. 

Mit dem Autor sitze ich sozusagen gemeinsam am Verhandlungstisch in Bagdad (vor dem Krieg), in Nordkorea und auch in Libyen. ElBaradei erklärt mir seine Verhandlungspartner, seine und ihre Motivation und leider stehen die engen Grenzen der Verhandlungsmöglichkeiten oft schon vor Beginn der Verhandlungen fest. 

Auch wenn mich dies sicher bald entmutigen würde, Mohamed ElBaradei sagt nach vielen Verhandlungsjahren: "Ich bin nach wie vor überzeugt, dass die Diplomatie in der Lage ist, scheinbar unüberwindliche Probleme zu lösen." 

Der Autor macht klar, dass unsere westliche Vorstellung von Sicherheit oft nicht deckungsgleich mit Sicherheitsvorstellungen anderen Länder ist. Dies wiederum erklärt, warum Verhandlungen so oft sehr langwierig sind oder gar scheitern. Ich vermisse solche aufklärenden Reportagen in unseren Fernsehprogrammen, deshalb bin ich Mohamed ElBaradei für sein Buch um so dankbarer! 

Unbedingt empfehlenswert!

Campus, ISBN 978-3-593-39348-3, Preis 24, 90 Euro

Nach oben