Atiq Rahimi:  Verflucht sei Dostojewski

Der arme Jurastudent Rassul ermordet mitten in Kabul eine reiche Wucherin. Er sieht ihr Bündel mit den Geldscheinen und auch die gefüllte Schatulle mit dem Schmuck der Alten. Aber plötzlich ist Rassul nicht fähig das Geld und den Schmuck zu stehlen. Er denkt an Dostojewskis Helden Raskolnikow und an seine Schuld. Der russische Dichter hat Rassul alles vermasselt: "Verflucht sei Dostojewski"

Nach dem Mord an der Alten rennt Rassul durch die Straßen von Kabul. Er hört einen Bombeneinschlag, rettet Verschüttete und weiß nicht wohin mit sich.

Das folgende wird ein Gemisch von Traum und Wirklichkeit, gerade angemessen für ein so traumatisiertes Land. In den Jahren 1986 bis 1989 hat Rassul in Leningrad Jura studiert. Jetzt hat er Angst, dass jemand seine russischen Bücher in Kabul sieht. Immer wieder geht Rassul auf Dostojewskis Buch "Verbrechen und Strafe" ein, was vielleicht bei uns im deutschen besser als "Schuld und Sühne" bekannt ist. Rassul kennt Raskolnikow bestens.

"Dieses Buch muss in Afghanistan gelesen werden, in diesem einst mystischen Land, das sein Verantwortungsgefühl verloren hat." Ob dieses Land und seine Bevölkerung wirklich in den letzten Jahrzehnten jegliches Verantwortungsgefühl verloren hat, ist die Frage auf die alles in diesem sehr bewegenden Roman hinausläuft.

Wird Rassul für seinen Mord zur Verantwortung gezogen werden? Wer war die Frau mit dem blauen Umhang, die kurz nach dem Mord beim Opfer war? Für Spannung sorgt Rahimi und auch für eine genaue Analyse zum Thema wie sich das menschliche Gewissen unter den dramatischen Umständen wie Afghanistan sie seit Jahrzehnten über sich ergehen lassen muss verändert.

Der Leser lernt in diesem Buch neben Rassul auch ein ganzes Volk kennen, wie dies bislang in keinem anderen Afghanistanroman möglich war!

Ullstein, ISBN 978-3-550-08889-6, Preis 19, 99 Euro

 

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