Tilman Jens: Vatermord

Der Leser darf gespannt sein auf dieses Buch vom so zerrissenen Filius Tilman. Glücklicherweise versteckt er sich nicht hinter Verteidigungsreden.

"Die Vatermordkeule ist eine altbewährte Waffe aus der Assevvatenkammer der Küchenpsychologie.", sagt er und betrachtet dabei selbstverständlich die Ödipusdramen. Er weitet sehr geschickt das Täterfeld auch auf die Töchter aus. Ausgerechnet die Kanzlerin bringt er in dieser Sachlage vor Gericht, beziehungsweise vor den Leser. Sie konnte erst den Gipfel der Macht erklimmen, nachdem sie ihrem politischen Ziehvater den Dolchstoss versetzt hatte.

In sieben Kapiteln denkt Tilman Jens über Vatermord der Söhne und Mord der Väter an ihren Söhnen, aber auch über das Davor und Danach nach. Der Autor analysiert viele Beispiele die er aus der Theater - und Literaturwelt holt. Für mich als Sohn und Vater zugleich, war es äußerst interessant, verschiedenste Beziehungen und Denkmuster kennenzulernen und vor allem mich selbst irgendwo einzuordnen.

Im letzten Kapitel wird der Sohn noch einmal sehr persönlich. Er schildert ihm sehr Wichtiges zwischen Vater und Sohn und er bedankt sich, dass er ihm zum Journalisten geraten hat.

Auf der letzten Seite des Buches lässt Tilman Jens alles fallen. Da sind nur noch Vater und Sohn. Der Vater sagt er will sterben. Der Sohn sitzt da und hört zu. Er kann ihn nicht töten. Egal wie grotesk diese Szene ist. Zum Schluß können beide herzhaft lachen.

Fazit für mich: Jeder einzelne sollte seine Vater - Sohn, auch Mutter - Tochter - Beziehung selbst gut meistern. Niemand sollte mit dem Finger auf den anderen zeigen, bevor er selbst nicht weiß, wie er auf den Friedhof gelangt.

 

Christian  Döring

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-06870-1, Preis 17,95 Euro

 

http://www.amazon.de/Vatermord-Wider-Generalverdacht-Tilman-Jens/dp/3579068709/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1273315098&sr=8-1

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