Samantha Harvey:  Tage der Verwilderung

 

Jake ist 60, so nach und nach schwindet alles aus seinem Leben: Seine Frau ist tot, sein Sohn im Knast und sein Gedächtnis entschwindet ihm ebenfalls immer mehr.

Die Autorin hat in einem Gespräch zu diesem Buch gesagt: "Ich beschloss selbst über Alzheimer zu schreiben, allerdings aus dem Blickwinkel der dementen Person. So viele Fragen über die Krankheit bleiben unbeantwortet  -oder sogar ungestellt-  , bis man sie vom Inneren aus betrachtet." Genau an dieser Stelle lernt der Leser Jake kennen.

Jake denkt über seine Frau nach. Er durchstreift seine Wohnung und ruft seine Frau mit Namen: "Helen!" Er betritt das Wohnzimmer und sie ist nicht da. War sie nicht an einem Schlaganfall gestorben? Jake überlegt - heißt dies dann nicht, dass er sie nicht finden kann?

Bilder aus längst vergangener Zeit betrachtet Jake. Manchmal erkennt  er sich und weiß was damals los war, manchmal erkennt er niemanden auf den Fotos. Oftmals passen seine Geschichten auch nicht mehr zusammen, werden widersprüchlich - zunehmend verliert Jake sein Gedächtnis.

Die gerade mal 35 - jährige Samantha Harvey zeigt in ihrem Roman ein Menschenleben, dass zusehens innerlich kaputt geht, sie greift dabei ein Thema auf, dass in Zukunft an Bedeutung zunehmen wird.

Nur keine Angst vor diesem Buch !

Es ist kein Buch, dass die Schattenseiten der Demenzkrankheit in den Vordergrund stellt, vielmehr beschreibt Samantha Harvey ein Menschenleben, sie benutzt dabei den Leser verzaubernde Sprachbilder und zeigt Alzheimer als eine Variante ein Leben in Würde zu Ende zu leben.

 

Christian Döring

 

DVA, ISBN 978-3-421-04382-5, Preis 21, 95 Euro

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