Bernhard Schlink:  Sommerlügen

 

Der Autor kann so schreiben, als hätte er alles was er beschreibt auch selbst erlebt. In "Nachsaison" erleben der deutsche Orchestermusiker Richard und die reiche amerikanische Susan in Amerika eine herrliche Liebe im Regen der "Nachsaison".

Diese Liebe hält nur wenige Tage am Ferienort. Sie ist intensiv und beide planen für ihre gemeinsame Zukunft so viel, aber bei ihrer Verabschiedung wissen beide bereits, dass es nur eine Sommerlüge war. Die Geschichte lässt es offen, aber ich vermute, beide sahen sich nie wieder.

In "Der letzte Sommer" hoffe ich sehr für den Autor, dass er möglichst wenig autobiografisches in seine Geschichte geschrieben hat. Ein Mann im Rentenalter, der sein Leben lang Bücher schrieb und auch an der Universität lehrte, hat Krebs. Einen Sommer lang wollte er mit seiner Frau, den Kindern und Enkeln verleben und dann wollte er sich langsam mithilfe eines tödlichen Coctails davon machen.

Seine Frau kam oft in den zurückliegenden Ehejahrzehnten zu kurz, auch bei der Entscheidung, dass und vor allem wann ein Todescoctail zum Einsatz kommt, lässt er sich von seiner Frau nicht in die Karten schauen. Aber sie findet den Coctail. Sie macht ihm klar, dass es so für sie nicht weitergehen kann. Sie und auch alle anderen Familienangehörigen verlassen das Sommerhaus. Der krebskranke alte Mann bleibt allein zurück. Wird er fähig sein noch an sich zu arbeiten?

Durch die Tiefe und Intensität der Texte bin ich positiv überrascht. Diese sieben Geschichten sind keineswegs leichte Sommergeschichten, wie man beim Betrachten des Covers leicht denken könnte.

Der Bielefelder Bernhard Schlink deckt Lügen auf und denkt dabei über das Leben nach. Er versteht es sehr gut den Leser nicht wieder loszulassen und er macht ihm klar, um Lügen aufzudecken ist es nie zu spät.

 

Christian  Döring

 

Diogenes, ISBN 978-3-257-86197-6, Preis 19, 90 Euro

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