Richard Yates: Ruhestörung

 

Der Autor dieses Buches ist seit fast zwei Jahrzehnten tot. Das Buch ist vor 35 Jahren geschrieben worden. Es ist sozusagen ein alter Schinken. Das völlig verblüffende jedoch ist, dass es so aktuell wie am ersten Tag ist, als es in Amerika die Druckerei verlies.

John steht in einer Telefonzelle und ruft seine Frau an. Er sagt ihr, dass er nicht mehr nach Hause kommt. Alkohol und Frauen, vielleicht auch die Schlaflosigkeit haben ihn kaputt gemacht. Sein Freund , der Anwalt Borg, bringt ihn in ein Krankenhaus.

Als John aus der Klapse entlassen wird, kehr er heim ins Gemütliche. Seine Frau mag das Gemütliche. John der Anzeigenvertreter rast von Arbeit zu Therapiesitzungen, von Alkoholikertreffen der Anonymen und kommt nie bei sich selber an.

Langsam frage ich mich, was macht Richard Yates hier eigentlich? Erzählt er mir die Geschichte von John? Oder erdreistet er sich mich aus meiner Gemütlichkeit in meinem Lesesessel herauszuholen? Ich verdächtige ihn, dass er mir und meiner Gesellschaft in der ich lebe seinen Spiegel vor meine Augen halten will.

Yates tut dies sehr gut. Seine Sprache ist nicht alt, eher direkt. Der Schriftsteller tut das, was sein Beruf ist. Mit seinem Roman holt er uns aus der alltäglichen Routine, spielt ein wenig John mit uns. Wir sollten uns herausreißen lassen aus der Routine, damit wir nicht so enden wie John.

 

Christian  Döring

 

DVA, ISBN 978-3-4210-439-31, Preis 19,95 Euro

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