Melitta Breznik: Nachtdienst

 

Ein Mann kommt zurück in die elterliche Wohnung. Die Mutter ist seit langem ausgezogen, sie lebte getrennt von ihrem Mann. Der kam  ins Pflegeheim, seine Rückkehr ist ausgeschlossen.

Sein Sohn, er ist inzwischen Arzt, lässt seine Kindheit und die gemeinsame Zeit mit Vater und Mutter Revue passieren. Da ist natürlich die Wohnung und die Toilette auf halber Treppe die mit anderen Mietern des Mietshauses gemeinsam zu nutzen war.

Er erinnert sich an die Geschichten die ihm sein Vater aus seiner Zeit in englischer Kriegsgefangenschaft erzählt. Aber er erinnert sich auch wie sein Vater mit seinem ständigen Saufen alles kaputt gemacht hatte. Mit allen lebte er zum Schluß im Streit.

Jetzt sitzt der Mann da und sortiert mit seinem Bruder die Sachen der Wohnung kurz vor der Haushaltsauflösung. Sie finden gehortetet Werkzeuge, aber auch Gegenstände an denen gemeinsame Erinnerungen hängen.

An Werktagen besucht er seinen Vater. Er weiß, es dauert nicht mehr lange. Sogar die Mutter besucht ihren Mann wieder, mit dem sie Jahre lang kein Wort gewechselt hatte.

Wenn das Leben vergeht, heben sich Grenzen auf. Wenn Eltern sterben werden Kinder gezwungen sich endgültig von ihnen zu verabschieden und erwachsen zu werden.

Beim Ausräumen der Wohnung finden sie sogar noch den alten mehrfach vom Vater reparierten Fön. Sie bringen ihn runter zum Sperrmüll. Als die die nächsten Sachen bringen ist der Fön verschwunden, jemand hat ihn scheinbar noch gebraucht. Der Vater ist endlich im Pflegeheim gestorben, niemand brauchte ihn mehr.

 

Christian Döring

 

Luchterhand Literaturverlag, ISBN 978-3-630-62192-0, Preis 9, oo Euro

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