Andreas Kraß:  Meerjungfrauen

Der Professor für Ältere Deutsche Literatur Andreas Kraß setzte sich im Winter 2008/2009 in Wien an die Seite von Hans Christian Andersens Donauweibchen und schrieb diese vorliegende beeindruckende Literaturgeschichte der Meerjungfrau.

Sinnbilder: Liebe und Literatur (Goethe, de Montaigne, Freud, Horaz)

Sirene: Vogelfrau und Verderberin (Homer, Ovid, von Kleist, Kafka)

Melusine: Schlangenfrau und Gebärerin (Goethe, Fontane, Paracelsus)

Donauweibchen: Nymphe und Verführerin I. (Vulpius, Grillparzer, Hensler)

Loreley: Nymphe und Verführerin II. (Heine, Wagner, Brentano)

Undine: Nymphe und Verführerin III. (Lortzing, I.Bachmann, Bobrowski)

Meerjungfrau: Fischfrau und Sündenbock (Andersen, Mann, Disney)

Allein dieser Überblick über den Inhalt des Buches zeigt in welcher Breite und mit welcher Sorgfalt Andreas Kraß sich dem Thema gewidmet hat.

Dank Andersen stellt sich heute die Mehrzahl aller Leser beim lesen des Wortes Meerjungfrau ein Wesen vor, dessen Leib in einem Fischschwanz endet. Dabei war Hans Christian Andersen nicht einmal der Erfinder dieses Wesens.

In diesem unterhaltsamen wie auch für Studenten und Literaturfreunde insgesamt sehr informativen Buch ist der Autor diesem Wesen in all seiner Vielfalt und in all seinen Kulturepochen auf der Spur. Im 14. Jahrhundert wurde die erste heute noch nachweisbare "meriuncfraw" geboren.

Besonders spannend wird es dort wo Kraß in einzelnen Werken ganz konkret den Meerjungfrauen auf der Spur ist, so zum Beispiel bei Theodor Fontane und seinem Stechlin oder auch bei Heinrich Heine und seiner Loreley.

 

Christian  Döring

 

S. Fischer, ISBN 978-3-10-038195-8, Preis 24, 95 Euro

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