Rolf Dobelli:  Massimo Marini

 

Rolf Dobelli scheint so etwas wie ein dauerhaft schwebender Komet zu sein. Noch lang keine 50 Jahre alt, lebte er bereits für Jahre in Hongkong, Australien, England und Amerika. Seit er Mitte 30 ist schreibt er und man merkt seinen Büchern sofort an: Dieser Mann labert nicht, er hat etwas zu sagen.

Vielleicht gerade weil Dobelli so viel von der Welt gesehen hat und dies nicht nur als vorbeieilender Touri, kann er einen kritisch - hilfreichen Blick auf unser Westeuropa werfen, leider fällt dieser Blick nicht all zu gut aus.

Damit wären die beiden großen Erzählebenen des Autors klar. Zum einen schreibt er eine Gesellschaftskritik und zum anderen beschreibt er das Leben des Massimo Marini. Als Gastarbeiterkind wird er ins Land geschmuggelt und bringt es eines Tages bis zum Bauunternehmer. Massimo kam vor 60 Jahren als Säugling, damit wird dem Leser ein weiter geschichtlicher Horizont überschaubar gemacht. Kritisch könnte man fragen: Was haben die letzten sechs Jahrzehnte gebracht?

Massimo wird zum linken Protestler. Liebe, Mord, Gesellschaftskritik - dies alles vereint Rolf Dobelli und führt uns die Armut unserer Gesellschaft vor Augen.

Für mich ist dies ein großartiger Roman der das Potenzial hat Leser gefangen zu nehmen, auch über die letzte Seite hinaus. Das Buch ist ein Gegenwartsstück, dass noch lange nicht zu Ende ist. Gerade gegenwärtige Diskussionen überall in Europa greift der Autor auf, ich hoffe im nächsten Buch bleibt er am Thema dran.

 

Christian Döring

Diogenes, ISBN 978-3-257-06754-5, Preis 21, 90 Euro

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