Olivier Bellamy: Martha Argerich

Auf 22 Erzählstationen lädt der französische Korrespondent Olivier Bellamy Fans und neugierig gewordene Leser ein das Leben der Martha Argerich kennenzulernen.

Ganz zweifelsfrei ist sie eine der ganz Großen der Musikszene, aber der Autor hat auch das Mädchen und die Frau Martha Argerich in seinem Buch im Blick. So schildert der Autor im Kapitel "Buenos Aires: Kindergarten" die schweren verwandtschaftlichen Verhältnisse, auch psychichen Krankheiten, die es in der Verwandtschaft der Künstlerin gibt. 1944 betritt Martha zum ersten Mal ihren Kindergarten und lernt dort zufällig die Welt des Klaviers kennen. Die Leiterin ist eine Kunstfreundin, die es ermöglicht, dass das Klavier jeden Mittag zur Siesta erklingen kann.

Auch wenn natürlich die musikalische Seite der Argerich im Vordergrund des Buches steht, haben mich doch beim Lesen die Einblicke in ihr Privatleben zutiefst beeindruckt. Zu vieles in ihrem Leben verlief wider dem Verstand, deshalb ist es gerade bei dieser Künstlerin so wichtig nach ihrer Herkunft und ihrem Leben zu schauen, um ihre Musik zu verstehen. Ihr Agent hat einmal gesagt: "Martha hat alles dafür getan, ihre Karriere zu ruinieren, aber es ist ihr nie gelungen." Spricht dieses Zitat nicht Bände? Die Frau die so oft schockierte, die es sich sogar leisten konnte eine Einladung der Wiener Philharmoniker auszuschlagen, wurde dennoch ein Weltstar.

Dieses Buch erschien nun zu ihrem 70. Geburtstag, den sie am 5. Juni 2011 feiern wird. Olivier Bellamy hat ihr ein wunderbares literarisches Denkmal gesetzt, das Martha Argerich in all ihrer Widersprüchlichkeit zeigt.

 

Edition Elke Heidenreich bei C. Bertelsmann, ISBN 978-3-570-58023-3, Preis 19, 95 Euro

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