Uwe Böschemeyer:  Machen Sie sich bitte frei

"Machen Sie sich bitte frei"

Gern Herr Böschemeyer, ich bin dann mal so frei!

Ihr Buch habe ich mit persönlichem Gewinn gelesen. Da ich auch so manch anderes von Ihnen kenne, erlaube ich mir die Bemerkung: Dieses Buch ist Ihr bislang persönlichstes.

Wenn ein Sachbuchautor plötzlich zu seiner Leserschaft hinuntersteigt um ihr auch persönliches mitzuteilen, ja sich sogar soweit zu entblößen sie wissenzulassen, dass Sie in und durch Ihren Glauben an Gott freier geworden sind, dann fordert dies zunächst Hochachtung vor Ihrem Mut. Wer sich heute auf Gott beruht zieht leicht Häme auf sich und wer so wie Sie so viel persönliches preis gibt, dem muss sein Thema schon sehr ernst sein.

Um die Freiheit des Einzelnen geht es Ihnen, beileibe nicht um politische Revolutionen. Sie legen sozusagen für alles weitere das Fundament. Sie beginnen Freiheit im Individuum selbst zu definieren. Das liest sich ganz gut, ist auch einleuchtend, manchmal zwar etwas unbequem für mich und meinen inneren Schweinehund und im Endeffekt saß ich als ich Ihr Buch durchgelesen hatte vor einem Berg von Arbeit, den Sie mir beschwert haben.

Sie beginnen die Freiheit zu suchen indem Sie die Unfreiheit beschreiben. Das ist clever, weil Sie Ihre Leser vom gefühlten Istzustand abholen, ihn sozusagen gleich mitnehmen.

Streng marschieren Sie mit Ihren 52 Kapiteln durch Ihr Buch und bestimmen die Stationen unserer gemeinsamen Fahrt, aber schließlich sind Sie ja auch der Reiseleiter. Gleich zu Beginn sagen Sie mir klipp und klar, dass Freiheit die Unfreiheit geradezu braucht. Noch schlimmer aber, Sie sprechen aus, was ich schon immer befürchtet hatte: "... ganz frei werden wir nie sein, aber wir könnten  freier, immer freier werden von dem, was uns belastet, und freier für das wozu wir in unser je eigenen Persönlichkeit berufen sind."

Dennoch bin ich dann sehr gern mit Ihnen die 52 Stationen unterwegs gewesen. Ich habe Sie nicht als Oberlehrer oder Moralist, aber als persönlichen Reiseleiter erlebt, der mir Impulse gibt, mit denen ich auf dem Weg zu meiner Freiheit gern weitergehe. Sparen hätte man sich die seitenlange Werbung für Böschemeyers Institut für Existenzanalyse und Logotherapie am Ende seines Buches, zum einen kennen viele Böschemeyerleser das Institut und zum anderen, werde ich ziemlich abrupt gleich wieder vom persönlichen Ton im Buch zur rauhen Geschäftswelt herausgeholt, aber klappern gehört eben zum Geschäft, obwohl,  auch zur Freiheit?

Ecowin, ISBN 978-3-711-00023-1, Preis 21, 90 Euro

 

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