Michael Wallner:  Kälps Himmelfahrt

 

Drei Lebensmodellen begegne ich in diesem Buch sehr intensiv. Birgit die Wolfsburgerin lebt grad in Scheidung und macht über Weihnachten mit ihrer Tochter im Bergdorf Ferien. Trotz ihrer Enttäuschung in der Ehe, weiß sie weiterzuleben. Dann ist da Una. Sie ist Kindergärtnerin im Dorf. Verlobt war sie mit dem Bruder von Kälp, aber der ist tot. Tja und dann ist da Kälp der Eigenbrödler. Einmal wird er im Buch sogar als der düstere Träumer bezeichnet, da allerdings möcht ich gern dem Michael Wallner widersprechen.

Der Tierarzt Kälp ist schon ein komischer Kautz, aber ein sympathischer. Vielleicht ist ja wirklich jemand lebensfremd, der Weihnachten mit brennenden Kerzen im Stall zusammen mit seinen Tieren feiert.

Mit dem Mord an Nurbrecht beginnt das Buch. Und obwohl immer wieder die Suche nach dem Mörder eine Rolle spielt, werden für Kälp die beiden Frauen immer wichtiger. Sie bleiben für ihn ein Rätsel. Sein Bruder war der große Verführer, er konnte alle haben die er wollte, aber er? Mal versteht Kälp die Frauen, mal sieht er wieder überhaupt nicht durch. Mit der einen kann er ganz gut reden, mit der anderen landet er dann doch im Bett.

Über Weihnachten, dem Fest der Familie, treffen sich in diesem kleinen Bergdorf Menschen die alle in zerbrochenen Beziehungen leben. Mit Familie ist da nicht viel, egal ob freiwillig oder nicht. Vielleicht wird ihnen über der Weihnachtsgans, die Una und Kälp für alle zubereitet haben, klar, wie verloren sie sich eigentlich ohne das unbezahlbare Gut Familie vorkommen. Vielleicht wird es ja grad deshalb kein gelungener Abend.

"Kälps Himmelfahrt" ist kein einfaches Buch. Es nimmt den Leser in Anspruch. Selbst als ich es zu Ende gelesen hatte, kam ich so schnell von Kälp nicht los. In dem Moment des Lesens, als ich von Kälp seine Entscheidung für eine der beiden Frauen erwartete, kam alles ganz anders.

 

Luchterhand, ISBN 978-3-630-87305-3, Preis 18, 99 Euro

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