SCM Hänssler, ISBN 978-3-77515-257-0, Preis 12, 95 Euro

 

Damaris Kofmehl / Demetri Betts:  Jack Ross - Der Countdown

 

Held dieses Buches ist der Schüler Jack Ross. Er trägt ein schwarzes Gerät am Fuß, das sofort anschlägt wenn er ein bestimmtes Gebiet verlässt. Außerdem ist er gerade mal wieder von der Schule geflogen.

Dieser Jack ist einer dieser Jugendlichen die man lieber nicht kennenlernen möchte, aber vielleicht ändert ja der Leser noch im Verlauf der Romanhandlung seine Meinung.

Auf mich wirkte dieser Roman wie unter Zeitdruck geschrieben. Einiges erscheint mir realitätsfern zu sein. Das Eltern schon vor der Geburt ihrer Kinder Geld für sie anlegen (S.33) habe ich zum Beispiel noch nie gehört.

Jack kommt mal wieder an eine neue Schule. Dieser Typ kann irgendwie alles. Selbst als seine Biologielehrerin mit einer Vogelspinne in den Unterricht kommt und die Schüler aufgefordert werden das Alter des Tieres zu schätzen, da weiß Jack das die Vogelspinne exakt 18 Jahre alt ist (S.63). In einem Roman sind zweifelsfrei literarische Überhöhungen ein legitimes Mittel, wenn diese allerdings wie in diesem Buch geschehen so überreizt werden, trägt das nicht zur literarischen Qualität eines Buches bei.

Visionen nennen es die Autoren die Jack hin und wieder bekommt. Einmal denkt er die Schule brennt und brüllt so überzeugend Alarm, dass er damit in der Realität tatsächlich den Ernstfall in seiner Schule auslöst. Wochen später nimmt er ein Erdbeben wahr wo keines ist und der Hausmeister stellt ganz sachlich fest: »Du hast Visionen.« (S.68). Also ich hätte versucht diesen Jugendlichen zum Psychologen zu bringen.

Völlig verspielt hat das Buch dann bei mir als die Autoren den Hausmeister der Schule zu Jack sagen lassen: »Du bist auserwählt.« (S106). Spätestens an dieser Stelle haben die Autoren für mein empfinden eine gefährliche Grenze überschritten. Gern hätte ich mit den Autoren darüber gesprochen. Auch wenn der Romanheld noch zum wirklichen Helden wird, kann ich dieses Buch nicht guten Gewissens weiterempfehlen. Ich erahne noch nicht einmal warum dieses Buch geschrieben wurde.

Es ist wirklich war Damaris Kofmehl schreibt in ihrem Nachwort: »Wir müssen dringend was Neues zusammen schreiben!« Meines erachtens sollte die Motivation ein Buch zu schreiben eine andere sein.

Falls die Autoren mir mit diesem Buch sagen wollten, auch von einem Kriminellen können gute Taten ausgehen, ist das in Ordnung, dann allerdings sind Jacks Visionen hier völlig fehl am Platze.

Sollten mir die Autoren aber mit ihrem Buch die Wichtigkeit dieser Art von Visionen vermitteln wollen, kann ich nur eindringlich davor warnen dieses Buch überhaupt zu lesen. Von Damaris Kofmehl kenne ich wesentlich bessere Bücher.

Sehr gern hätte ich mit Damaris Kofmehl ein Autorengespräch geführt. Aus Gründen der Fairmess hatte ich der Autorin meine kritische Rezension bereits vorher zugänglich gemacht. Meine Anfrage auf ein Interview beantwortete Damaris Kofmehl mit einer Gegenfrage: »Warum sollte ich Ihre Fragen beantworten, wenn ich weiss, dass Sie einen negativen Bericht schreiben werden ...«

Dann lies mich die Autorin plötzlich wissen, dass ich ihr doch meine Fragen schicken kann und teilte gleichzeitig mit: »Die erste Auflage war innerhalb eines Monats ausverkauft, und alle möchten wissen, wie es weitergeht mit Jack. Mein Mann und ich schreiben jetzt grad diesen Moment am zweiten Band.«

Nachdem ich dann meine Fragen geschickt hatte lies mich Mitautor Demetri Betts wissen, dass er der Manager seiner Frau ist und dass sie beide »viele viele Fans haben, die das Buch lieben und mehr davon wollen. Anders als vielleicht andere Autoren haben wir eine enge Beziehung zu unseren Lesern und Fans und unser Goal ist es, ihnen das zu geben, was sie möchten. Und bisher hat das immer sehr gut funktioniert.«

Für mich ist das Verhalten der beiden Autoren kein fairer Umgang mit kritischen Lesern. Ich hätte sehr gern gewusst, warum die Autoren in ihrem Buch einen literarischen Helden geschaffen haben, der ausgerechnet von Visionen getrieben wird . . . Schade eine vertane Chance . . .

Bereits im Februar erscheint von Damaris Kofmehl bei SCM Hänssler eine weitere wahre Geschichte. Diesmal:  "Der Bankräuber - Die wahre Geschichte des Farzad R."

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