Peter Probst:  Im Namen des Kreuzes

Als ich diesen Krimi beginne, denke ich auf den ersten Seiten: Mein Gott, welch ein Durcheinander. Der Autor wirft mir eine Menge an Puzzleteilen vor, mit denen ich zunächst nichts anzufangen weiß. Aber Seite um Seite führt mich Peter Probst in Abgründe von denen ich hoffe, dass sie nur seiner Fantasie entsprungen sind, aber bei dem was inzwischen weltweit an moralischen Verfehlungen katholischer Priester bekannt geworden ist, bin ich mir da nicht mehr so sicher.

Alles beginnt für den Leser mit der Bekanntschaft mit dem 14-jährigen Patrick. Der Junge hat einen Mord begangen und soll in einer kirchlichen Einrichtung, dem "Haus der Gnade" zu Gott finden, damit er in Zukunft ein sündenfreies Leben führen kann. Probst vernachlässigt für mein Empfinden dann in der Folge diesen Erzählstrang. Aber einem Autor der absichtlich falsche Fährten legt, dem traue ich auch zu, dass er diesen Erzählstrang absichtlich vernachlässigt, um mich noch mehr auf die Folter zu spannen.

Nach dem Tod eines Priesteramtskandidaten und eines Pfarrer, ist es Privatermittler Anton Schwarz der nicht an die Selbstmordvariante glaubt. Zwar muss er seine Exkollegen, die polizeilichen Ermittler, erst davon überzeugen, aber er liegt mit seiner Vermutung nicht schlecht. Dann tut Peter Probst für den Leser Abgründe auf. Er dringt tief ein in die katholische Hierarchie. Er beschreibt die Gefühlswelten junger Priester, da ist es ganz egal ob jemand schwul oder hetero ist. Wie wird man damit fertig in der Welt des Zölibats?

Selbstverständlich löst der Autor zum Ende hin auch das Geheimnis um das "Haus der Gnade". So erfäht der Leser von der Sancta Militia Jesu und von der immer noch viel zu großen undurchschaubaren Macht der katholischen Kirche.

Diesen Krimi konnte ich erst wieder weglegen als ich ihn durchgelesen hatte!

dtv, ISBn 978-3-423-21350-9, Preis 8, 95 Euro

 

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