Bernhard Kathan:  Hungerkünstler

 

Wer dies Buch von Bernhard Kathan aufschlägt, darf sich nicht auf träumerische Lyrik einstellen. Hier geht es ans Eingemachte - an die Substanz sozusagen!

Hungern im ursprünglichsten Sinne hinterlässt tiefe Furchen. Diese Furchen werden zum einen auf der Waage sichtbar, sie verändern aber auch einen Menschen und sein Wesen.

Kulturhistoriker Kathan ist Schriftstellern auf der Spur, die ein jeder auf  ganz besondere Weise "Hungerkünstler" ist. Der Autor versucht zu zeigen, wie dieses Hungern sich auf  schriftstellerische Arbeit abfärbt.

Neben Nikolai Gogol und Simone Weil, treffen wir in diesem Buch auch auf Katharina von Siena. "Von vornherein schloß sie Fleisch, Fisch, Eier, Käse und Wein, ja auch Brot von ihrem Speisezettel aus . . ." Sie hungerte sich Jesus entgegen. Daneben kennt man ihre Blutmetaphorik noch heute in der Literaturgeschichte.

Vielleicht ist es mit unseren heutigen Augen betrachtet eklig wenn wir lesen, dass Katharina Blut und Eiter trank, ihr trachten nach ihrem Bräutigam Jesus allerdings machte sie zur Märtyrerin. Durch Bernhard Kathan lernt der Leser verstehen, er nimmt den Ekel.

Alle hier versammelten machen uns deutlich "Essen hält Leib und Seele zusammen." Nicht essen verhindert allerdings nicht die Weiterentwicklung von Menschen und ihrem Tun. Beim Lesen ist es äußerst spannend mitzuverfolgen wie der Prozess des hungerns jeweils nur einmal und ganz einmalig verläuft.

Dieses Buch ist etwas für Leser die sich mit ihrem Autor und dessen Werk beschäftigen und die sich fragen warum er und sein Werk sich gerade so entwickelt haben. Eine spannende Reise!

 

Christian  Döring

 

Limbus Verlag, ISBN 978-3-902534-39-2, Preis 18, 90 Euro

Nach oben