William Ritchey Newton:  Hinter den Fassaden von Versailles

 

Zerstören will uns der französische Historiker William Ritchey Newton nicht unsere Vorstellung von einem Versailles voller Pomp und Glanz und Glimmer, aber er schärft unser Auge in seinem Buch für die andere Seite von Versailles.

In den Kapiteln: Wohnen - Essen - Wasser - Heizung - Beleuchtung - Großreinemachen - Wäsche - Leben bei Hofe zeigt er welche Arbeit notwenig war um dieses glanzvoll erscheinende Versailles am laufen zu halten und wie beispielsweise die Bediensteten in Versailles lebten.

Alles was in Versailles gebraucht wurde und unter welchen Schwierigkeiten es gelegentlich besorgt werden musste, beschreibt Newton sehr anschaulich. So war Ludwig der XIV. bekannt für seine Vorliebe für Wasserfontänen. Wasser allerdings war nicht so einfach zu beschaffen. Es mussten erhebliche Eingriffe in die Natur vorgenommen werden. Hatte man zunächst das Gebiet um Versailles entwässert, wurden nun mehrere Teiche zu einem künstlichen See, dem berühmten Grand Canal, zusammengefasst.

Um das Schloss rund um die Uhr mit Wasser zu versorgen war ein ausgeklügeltes System von  253 Pumpen notwendig und es musste immerhin ein Höhenunterschied von über 150 Meter überwunden werden. Kein Wunder also das Wasser zum Teil ab 1733 rationiert wurde. Wie gut, dass gerade zu jener Zeit ein  medizinischer Ratgeber darüber informierte, dass: "Das Baden, ist es nicht aus medizinischen Gründen von höchster Dringlichkeit, ist nicht nur überflüssig, sondern auch für die Menschen zudem äußerst schädlich."

Mit vielen Fakten, jedoch auch einer gehörigen Portion Humor, lässt uns der französische Historiker ein neues Bild von Versailles sehen. So beschreibt er auch Hungersnöte, den frierenden Hofstaat, falsche Kamine und den furchtbaren Gestank bei Hofe. Er zerstört die Glimmerwelt von Versailles und eröffnet uns einen realistischen Blick auf das Schloss des Sonnenkönigs.

 

Christian  Döring

 

Propyläen, ISBN 978-3-549-07362-9, Preis 22, 99 Euro

Nach oben