Andreas Püttmann:   Gesellschaft  ohne  Gott

 

Der Politikwissenschaftler Dr. phil. Andreas Püttmann beschreibt in seinem Buch Risiken und Nebenwirkungen der Entchristlichung in Deutschland. Er bedauert den Zusammenbruch einer jahrhundertealten "Leitkultur".

Zu Beginn des Buches überlege ich, ob es nicht besser ist, das Werk mit einem kühnen Schwung in die nächste Ecke zu werfen. In dem aus drei Kapiteln bestehenden Buch stellt der Autor fest, dass die DDR neben Tschechien und Estland die atheistischste Zone des europäischen Kontinents gewesen sei. Dem will ich als ehemaliger Christ in der DDR nicht widersprechen, aber der Ton in dem er darüber und auch über den Untergang "des Arbeiter - und Bauernparadieses" spricht, gefällt mir nicht. Nichts lese ich da von dem aktiven Gemeindeleben, das es auch in der DDR gab. Für mich ist das keine akkurate Geschichtsschreibung.

Das erste Kapitel "Diagnose" ist seitenweise eine Aneinanderreihung von Zahlen und Fakten, stellenweise sehr interessant, aber im Ganzen gesehen eine blanke Überforderung für mich.

Der heftigste und für mich unverzeihlichste Ausrutscher des Autors und das hätte der Verlag niemals zulassen dürfen, ist Püttmanns schäbiger Versuch die "Deutschen Christen" unter Hitler mit der "Kirche im Sozialismus" in der DDR auf eine Stufe zu stellen. Damit zeigt mir der Autor, dass er nicht gerade viel Ahnung von "Kirche im Sozialismus" hat (S. 121).

Nachdem ich das erste Kapitel mit Wut im Bauch überstanden habe, lese ich im zweiten Kapitel "Prognose" , das sehr kurz ausgefallen ist, wieder Sätze, die tatsächlich der Praxis entstammen.

Seinen grandiosen Höhepunkt erlebt dieses Buch im letzten Kapitel. Andreas Püttmann hat es mit "Therapie" überschrieben. Hier bin ich mit dem Autor voll auf einer Linie, kann jeden Satz mittragen.

So kritisiert er den oft viel zu laschen Religionsunterricht: "In den Schulen gibt es statt eines konfessionellen Religionsunterrichtes "ein diffuses Multi - Ethik - Blabla". Als Vater von Kindern, die eine evangelische Schule besuchen, kann ich dem nur  zustimmen.

Der Autor wirft den Kirchen in Deutschland vor, dass sie politisch oft sagen, was modern ist, was das Volk hören will, aber an biblischer Botschaft sei dabei nichts zu vernehmen. Damit trügen diese Prediger eigentlich zum Niedergang der Religion bei. Auch hier klatsche ich dem Autor Beifall und frage mich im Nachhinein, warum hat eine hohe Vertreterin der evangelischen Kirche den Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan erst so klar und deutlich abgelehnt, als die deutsche Bevölkerung schon lange dagegen war? Klare Worte von Anfang an wären besser und glaubhafter gewesen.

Seitenweise und spannend zählt Andreas Püttmann nun auf, was in den Kirchen schief läuft und er spricht mir aus der Seele. Ich habe es beispielsweise einmal erlebt, dass der Pastor in einem Ostergottesdienst der Gemeinde erklärte: Ich kann mit Ostern nicht so viel anfangen, deshalb wird der Gottesdienst heute kürzer und wir singen ein paar Lieder mehr. Püttmann sagt, dass zuwenig Prediger  von Kreuzesopfer, Auferstehung und ewigem Leben reden, obwohl Umfragen "längst eine Empfänglichkeit und Glaubensbereitschaft der Menschen in diesen Fragen zeigen, die weit größer sind, als der Mut und die Kompetenz der Verkünder . . ."

So geht es Seite um Seite weiter. Meine Wut ist längst vorbei und ich stimme nun dem Autor zu, gerade auch weil er Sachen unverblümt ausspricht, die sich mit meinen Erfahrungen decken. Aber er schimpft nicht nur auf "die" Kirche. Andreas Püttmann fragt jeden Christen: Wo ist der fröhlich Glaubende? Wo wird heute noch gebetet? Welcher Christ schreitet mutig ein, wenn irgendwo Witze über den lieben Gott gemacht werden? Warum verzichten so viele Christen auf das Tischgebet, nur weil sie in der Mensa oder in der Gaststätte essen?

Trotz anfänglich großer Schwierigkeiten die ich mit diesem Buch hatte, möchte ich jedem empfehlen, es zu lesen. Christen und Atheisten sollten es lesen. Vielleicht sollten gerade Christen durch Weiterverschenken dafür sorgen, dass dieses Buch sich auch in Ecken verbreitet, wo es sonst nicht hingelangen würde.

Ich wünsche diesem Buch von Herzen, dass es überall in Gemeinden und Schichten der Bevölkerung zum Thema wird, denn eine Gesellschaft ohne Gott ist das Letzte, was wir brauchen.

 

Christian  Döring

 

Gerth Medien, ISBN 978-3-8659-1565-8, 17, 95 Euro

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