Simon Schneeberger:  Fundamentalismus für Einsteiger

 

Der Autor hat sein Buch ganz bewusst in polemisch - provokativer Sprache geschrieben. Leider geht nicht explizit aus dem Buch hervor ob Schneeberger für deutsche Leser schreibt oder für Westeuropa oder die ganze Welt, bei diesem Thema wäre es sehr wichtig gewesen als Leser zu wissen an wen sich der Autor wendet.

Sollte er sich an Leser in Deutschland wenden, kann ich seine Äußerung betreffs Fundamentalismus: "Er ist der Megatrend schlechthin." nicht teilen. Es ist richtig, dass der christliche Fundamentalismus aus Richtung Amerika nach Europa  herangeschwappt kommt, aber keinesfalls das erhoffte Echo erfährt. Dies liegt zweifelsfrei daran, dass die Ausgangspositionen in Amerika und beispielsweise Deutschland sehr unterschiedlich sind. So fehlt in Amerika die schwerfällige und starre Amtskirche die wir in Deutschland haben, in diesem Fall vielleicht mal ein Vorteil.

Ich oute mich an dieser Stelle gern als evangelischer Christ, keinesfalls als Fundamentalist. Seit Jahren verfolge ich zumindest die deutschsprachige christliche Gemeinde - und Verlagslandschaft, bin deshalb noch mehr darüber verwundert was der Autor alles so als Beispiele für Fundamentalismus gefunden hat. So soll es Fundis geben die Lesben für Erdbeben verantwortlich machen, an anderer Stelle schreibt Simon Schneeberger: "Auch in Europa schätzen immer mehr Menschen die Vorzüge der Mitgliedschaft in der christlichen Gottesarme." Also ich hörte in diesem Buch zum ersten mal etwas von so einer Arme.

Von Vorteil wäre es gewesen der Autor hätte konkret für die Leser eines Landes geschrieben und genaue Beispiele gebracht, so dass man dann auf seine Beispiele hätte eingehen können. So geht aus seinem Buch auch nicht genau hervor, wo die Prügelstrafen mit den speziellen Schlaginstrumenten praktiziert werden. Wenn jemand dies in Deutschland tut, sollte es doch wohl selbstverständlich sein, dass dies unverzüglich angezeigt werden muss.

Der Autor geht auch auf die Familien ein, die ihre Kinder aus religiösen Gründen nicht in öffentliche Schulen schicken, sondern sie zu Hause unterrichten. Auch hier ist kein bedrohlicher Anstieg zu verzeichnen, eher erfahre ich davon, dass diese Familien Deutschland verlassen haben.

Auch als Christ finde ich es wichtig sich mit christlichem Fundamentalismus auseinanderzusetzen. Im vorliegenden Falle wäre es aber von Vorteil gewesen den islamischen Fundamentalismus außen vor zu lassen. Ich denke an dieser Stelle sollte man sauber trennen. Kontraproduktiv ist in meinen Augen auch die polemische Sprache des Autors.

 

Christian  Döring

 

Alibri, ISBN 978-3-8656-9061-6, Preis 14, 00 Euro

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