Wolfgang Schild:  Folter, Pranger, Scheiterhaufen

 

Um die Rechtssprechung im Mittelalter geht es in diesem prächtigen Buch, mit seinen vielen zum Teil ganzseitigen Bildern. Gerade sie geben ein eindrucksvolles Bild aus der Zeit in der Gottesurteil und irdische Rechtssprechung zum Teil eng miteinander verwoben waren.

Ausgerechnet ein Jurist hat es geschrieben. Er listet bereits im Inhaltsverzeichnis die wichtigsten Themen auf. Selbstverständlich steht an erster Stelle das christlich - religiöse Rechtsverständnis. Es gab den rechtlichen und richtenden Gott in einer Person. Aber auch Gottesfrieden und den Teufel als Rechtssubjekt.

Im folgenden geht der Autor mit dem Kapitel Das lebenspraktische Recht, in den Alltag der Menschen damals hinein. Von der Rechtsstellung und der Ehre und auch von der Öffentlichkeit der Hinrichtung berichtet Wolfgang Schild.

Das rechtliche Verfahren heißt das dritte Kapitel. Hier beschreibt der Autor die Vielgestaltigkeit der Verfahren im Mittelalter. Es wurde zwischen Klage -, Verklage -, Anklage -, und Inquisitionsverfahren unterteilt.

Ob nun der Angeklagte später als Rechtsverletzer, Friedensverbrecher, landschädlich oder Teufelsbündner gebrandmarkt wurde, war für ihn keinesfalls unerheblich. Worin die Unterschiede bestanden erfährt der Leser im vierten Kapitel.

Das letzte Kapitel ist wohl das, welches größtes Interesse erregt. Die Grausamkeit der Strafen wird beschrieben. Von der bekannten Todesstrafe, über Verstümmelungsstrafen bis hin zu Ehrenstrafen und Strafen zu Haut und Haar waren unsere Vorfahren ziemlich einfallsreich und grausam. Sie waren dies nicht, weil sie besonders grausam oder unmenschlich waren, sie glaubten so ihrem Auftrag nach Ordnung nachzukommen.

Geschichtsinteressierte Leser werden dieses Buch mit Interesse verschlingen.

 

 

Christian  Döring

 

Bassermann, ISBN 978-3-8094-8010-5, Preis 16, 95 Euro

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