Hans - Joachim Simm (Hg.):  "Einmal nur blick ich zurück"

 

Sigrid Grimm steht seit Jahrzehnten für ehrliche Worte in der deutschen Gegenwartsliteratur. Sie beherrscht die Gabe auch zwischen den Zeilen Mitteilungen machen zu können. Viele ehemalige DDR - Bürger sind der ehemaligen DDR - Schriftstellerin noch heute dafür dankbar, gehört sie doch einem Berufszweig an in dem sich viele schrecklich verbogen haben. Sigrid Damm kann noch heute, in der gesamtdeutschen Literaturszene erhobenen Hauptes ihren alten und neuen Lesern ins Angesicht schauen.

In diesem Buch erhält der Leser Eindrücke in das Leben und Schaffen der Schriftstellerin, eine Vielzahl von Gesprächen lange vor dem Mauerfall werden widergegeben. Liest man diese Gespräche lernt man Sigrid Damm als behutsame aber immer klar sprechende Frau kennen. Wenn sie gesprochen hatte dann wusste jeder was sie meinte, ein wischiwaschi gab es bei ihr nie.

Neben Laudationes und Dankreden kann der interessierte Leser in diesem Buch auch Texte über Kollegen, Freunde und über Stipendienaufenthalte lesen. Äußerst interessant sind hier besonders Sigrid Damms Zeilen über Christa Wolf und Eva Strittmatter.

Dieses Buch hat im Anhang auch ein Verzeichnis aller bisherigen Publikationen. Das Verzeichnis beginnt mit ihrer Mitarbeit an "Krisen und Wandlungen der deutschen Literatur von Wedekind bis Feuchtwanger" 1966 aus dem Aufbau Verlag.

Rückblickend sagt Sigrid Damm: "Mit siebzehn Millionen teilte ich den Wechsel der Staatsform. Viele meiner Alltagskoordinaten wurden davon berührt. Mein Schreiben nicht. Es blieb die Suche nach der "Wachstumsstelle einer menschenmöglichen Zukunft". Sigrid Damm sucht weiter und ihre Leser warten auf weitere Wortmeldungen von ihr.

 

Christian  Döring

 

Insel Verlag, ISBN 978-3-458-35343-0, Preis 14, 00 Euro

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