Anthony Bourdain:  Ein bisschen blutig

 

Mal ehrlich, möchten Sie einen Gartenammer serviert bekommen? Selbstverständlich mit Innereien! Das kleine, nur auf dem Schwarzmarkt zu bekommende Vögelchen, wird gefangen bis es vor lauter Fettleibigkeit mausetot umfällt gefüttert und dann gerupft und gebraten. Wenn Sie 250 Dollar dafür zahlen gehört er Ihnen.

Ich finde das eklig, aber weitergelesen habe ich trotzdem. Der bekannte amerikanische Küchenchef Anthony Bourdain beschreibt in zum Teil deftigen Beschreibungen die rauhe Wirklichkeit der gehobenen und exklusiven Welt der bekannten Köche dieser Welt.

Erstaunlich, aber doch sehr vernünftig klingt das meiste was Bourdain schreibt: "Niemand bestreitet, dass es besser ist, so oft wie möglich zu Hause zu kochen." An anderer Stelle schreibt der Autor unter der Kapitelüberschrift Tugend: ". . . ich glaube, dass Kochgrundkenntnisse eine Tugend sind, und, dass die Fähigkeit, sich selbst und andere angemessen zu ernähren, jedem jungen Mann und jede junge Frau beigebracht werden sollte. Sie sollte in der Erziehung denselben Stellenwert einnehmen, wie die Fähigkeit, sich den Hintern abzuwischen, allein eine Straße zu überqueren oder mit Geld umzugehen." Schaut man sich unter den Kochkünsten der jungen Generation um, lässt Anthony Bourdain hier sarrazinische Deutlichkeit walten und diese tut Not.

Vehement tritt der Autor dafür ein, dass Kochen wieder "cool" wird. Dabei ist er sich bewußt, dass wir uns in einer "allgemeinen Talfahrt des Standards" befinden. Bourdain geht scharf mit unserer Gier nach billigem Fleisch ins Gericht und spricht von der "industriellen Landwirtschaft", die immer grausamer und hässlicher wird.

Bei diesem Autor fühle ich mich wohl, obwohl er mir so viele teils eklige, teils äußerst unbequeme Wahrheiten sagt. Ich habe den Eindruck er ist vom Olymp des Kochkomerz herabgestiegen, hinaus aus dem Rampenlicht um uns an den heimischen Herd zurückzuführen.

 

Christian  Döring

 

Blessing, ISBN 978-3-89667-442-5, Preis 19, 95 Euro

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