Marie NDiaye:   Drei starke Frauen

 

Dieser beeindruckende Roman schlägt Brücken zwischen Generationen, auch zwischen Afrika und Europa, aber er teilt die Welt nicht in Mann und Frau.

Die Rede ist in diesem Buch von Nora und ihrem Vater. Der ist ein Schwächling und versteckt sich hinter seiner Leibesfülle und seiner Schreckensherrschaft als Patriarch der Sippe.

Der Leser erhält Zutritt und Einblicke in diese afrikanische Familie. Er wird Zeuge von Veränderungen. Noras Mutter verlässt  ihren Mann. Auch Nora, die an der Seite ihrer Mutter bleibt, bekommt eine Tochter. Damit sind die trei tragenden Frauengestalten dieses Romans angekommen.

Was kann eine Frau alles ertragen? Das habe ich mich als Mann beim Lesen dieses Buches oft gefragt. Großmutter, Mutter und Tochter tragen viel. Obwohl die Jüngste jahrelang zur Prostitution gezwungen wird, verliert keine der Frauen je ihre Würde.

Diesem Roman ist nicht genug Achtung geschenkt, wenn man ihn nur als Frauenroman abtut. In ihm steckt viel mehr. Da ist die Beziehung zu Europa, da ist auch die Nichtverurteilung der Autorin den Männern gegenüber und da sind die vielen Ungerechtigkeiten der gesellschaftlichen Systeme.

Marie NDiaye schreibt warum die Männer so geworden sind und das ist für mich das eigentlich spannende an diesem Roman. Die Autorin ist dem Teufelskreis der  Gewalt auf der Spur und sie versucht diesen Teufelskreis zu zerbrechen.

 

Christian  Döring

 

Suhrkamp, ISBN 978-3-5184-2165-9, Preis 22, 00 Euro

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