Jonathan Coe:  Die ungeheuerliche Einsamkeit des Maxwell Sim

 

Dem Autor ist es zum wiederholten Male gelungen seine Leser mit einer packenden Geschichte zu fesseln. Maxwell Sim ist krank, Frau und Tochter haben ihn verlassen und er erkennt, zwar nur sehr langsam aber immerhin, sein Leiden - die Einsamkeit. Diese gipfelt darin, dass er Gespräche mit seinem Navigationsgerät beginnt. Indem Coe Humor und Ironie in die Beschreibung des Maxwell miteinfließen lässt, wird die Bestandsaufnahme des Zustandes unseres Romanhelden und der Leser mag selbst entscheiden inwieweit er sich mit einbezieht, noch gespenstischer und absurder.

Per Technik hat Maxwell viele Freunde. Der Umgang mit Facebook bereitet ihm keine Schwierigkeiten, bei einem Menschen jedoch aus Fleisch und Blut in der Realität, da sieht das schon ganz anders aus. In all seiner Einsamkeit sucht Maxwell den Weg zu seinem Vater. Dort erkennt er, dass das Miteinander reden sehr schnell verlernt werden kann. Ebenso einsam wie er zu seinem Vater gereist war, fährt er wieder zurück.

Jonathan Coe hält uns unsere eigene paradoxe und kaputt machende Gegenwart vor Augen. Mit Hilfe der Technik so meinen wir jedenfalls, müssten wir ständig erreichbar sein. Maxwell fällt auch auf diese These herein und landet in der Einsamkeit. Vorsicht - sie kommt schleichend, aber ist sie erst einmal da, kann sie einen Menschen zerstören, wie ein Computervirus das gesamte Programm.

Wie gut das der Autor dadurch bekannt geworden ist, dass er unverhoffte Wendungen in seine Storys einbaut, dass lässt für Maxwell hoffen.

Als ich das Buch zu Ende gelesen hatte, fühlte ich mich irgendwie ertappt. Es ist heute sehr schwer der Technik zu entfliehen. Jonathan Coe appelliert das vernünftige Maß an Technik zu erkennen. Es ist jetzt nach 22 Uhr soll ich noch einmal nach meinen Mails schauen, oder hat das Zeit bis Morgen?

Ich verstehe dieses Buch als den dringenden Appell über das Zulassen von Technik in unserem Leben nachzudenken. Wenn uns erst einmal die Email - Welle, die auch im Gewand von Facebook, Smartphones . . . daherkommen kann erwischt hat, gibt es oft kein entrinnen mehr. Maxwell weiß bescheid wie das ist wenn ein Mensch der Technik zum Opfer fällt.

 

Christian  Döring

 

DVA, ISBN 978-3-421-04484-6, Preis 22, 99 Preis

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