Andrew Ross Sorkin:   Die Unfehlbaren

 

Über die Finanzkrise, die ganz offiziell im September 2008 über uns hereinbrach, wurde bereits so viel geschrieben, dass ich es beinah Leid war noch ein Buch zu diesem Thema in die Hand zu nehmen. Aber dieses Buch machte mich neugierig.

Sorkin erschlägt seinen Leser nicht mit grauer Theorie, die letztlich doch nur die wenigsten verstehen und Zahlen deren Höhe sowieso unvorstellbar sind. Der Autor packt das Thema von einer ganz neuen Seite an.

In seinem 600 - Seiten - Wälzer eröffnet er dem interessierten Leser Einblicke in die Welt der Mächtigen. Genau dort wo Weltwirtschaftskrisen und Notfallpläne gemacht werden, schaut er hin und beschreibt was er sieht. Dies geschieht erstaunlich unterhaltsam und dennoch glasklar in der Analyse.

Der Journalist Sorkin beobachtet seit einem Jahrzehnt die Wall Street und ist sich heute sicher: "(...) nie zuvor habe ich so tief greifende und dramatische Veränderungen unternehmerischer Paradigmen und eine so spektakuläre Selbstzerstörung geschichtsträchtiger Investitutionen erlebt." Seine journalistische Neugier versucht zu erfassen, welch ein Finanzgewitter da im September 2008 hereinbrach. Er selber sagt: "Dieses Buch ist ein Versuch, die Teile nach und nach zusammenzusetzen." Bei Sorkin lerne ich, vor einer neuen Krise dieses Ausmaßes bin ich erst dann sicher, wenn alle aus dem Versagen der weltweiten Finanzwelt ihre Lehren gezogen haben.

Einem Roman gleich beginnt das erste Kapitel im Schneematsch des Frühlings 2008 in Conneticut. Ich treffe auf bekannte und unbekannte Namen der internationalen Finanzwelt, die besorgt und verantwortungebewußt täglich ihren harten Job machen. Ich lerne auch die kennen, die auf das schnelle Geld aus sind. Manchmal komme ich mir beim Lesen wie in der Sandkiste zwischen kleinen Kindern sitzend vor und bin erschrocken darüber, dass Leute die von Neid und Geldsucht regiert werden, soweit aufsteigen konnten.

Nach dem Lesen durchschaue ich keinesfalls die internationale Finanzwelt, aber spätestens jetzt weiß ich, dass wir noch immer mitten in der Krise stecken. Überwunden scheint da noch lange nichts zu sein. Längst haben die Banker und Finanzmanager ihre Spielchen wieder begonnen. Vielleicht fühlen sie sich in ihrer Freiheit ein klein wenig beschnitten, aber dies hindert sie nicht daran nichts dazulernen zu müssen. Das schnelle Geld wird bereits wieder verdient.

Ein wenig ohnmächtig, weil machtlos bleibe ich in meinem Lesesessel zurück. Ganz sicher höre ich beim nächsten Mal besser zu, wenn es in den Nachrichten wieder einmal um die Neuregulierung der Finanzwelt geht. Denn dies eine habe ich begriffen, solange die Finanzmächtigen uneingeschränkte Macht haben, sind wir vor einer nächsten Krise nicht sicher.

 

Christian  Döring

 

DVA, ISBN 978-3-421-04488-4, Preis 24, 99 Preis

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