Miriam Eberhard:  Die Unentwegten

 

Auf den ersten Seiten dieser Familiensaga dachte ich: Ach du lieber Himmel auf was hab ich mich da nur eingelassen!

So werden Erlebnisse und auch politische Fakten stets aus dem ganz subjektiven  Blickwinkel einzelner Familienmitglieder heraus beschrieben. Es  kann beispielsweise sein, dass einzelne Erlebnisse äußerst widersprüchlich geschildert werden. Am Seitenrand, außerhalb des Textes, ist dann jeweils der Name des Familienmitgliedes notiert, der das betreffende Erlebnis genau so in Erinnerung hat. Als ich mich erst einmal in diese Form der Geschichtsschreibung eingelesen hatte, konnte ich ihr dann schnell die positiven Seiten abgewinnen.

Sehr deutlich wird, dass ein Erlebnis selbst im engsten Familienkreis, sehr unterschiedlich gesehen werden kann. Miriam Eberhard beschreibt in ihrer Familiensaga das Leben ihrer Großeltern Pauline und Friedrich Thiel. Anfang der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts beginnt die Familiengeschichte für den Leser.

Besser als in jedem Geschichtsbuch erfährt der Leser am Beispiel der beschriebenen schwäbischen Famile etwa vom politischen Alltag jener Zeit. Er ist hautnah beteiligt an den Veränderungen jener Zeit im Denken und Handeln der Menschen.

Die Autorin verknüpft Familiengeschichte und Politik so geschickt miteinander, dass dem Leser beides nach der Lektüre so vertraut ist, als wäre er mit dabei gewesen. Zeitdokumente dieser Art brauchen wir viel mehr, erst sie sind in der Lage den Blick für Geschichte und Zukunft zu schärfen.

 

Christian  Döring

 

Klöpfer & Meyer, ISBN 978-3-940086-85-3, Preis 24, 50 Euro

Nach oben