Tobias Daniel Wabbel:  Die Templer Kathedrale

schwer zu lesen, aber hoch interessant . . .

Autor Tobias Daniel Wabbel ist angetreten um den Geheimcode der Templerkathedrale von Chartres zu knacken. Er nimmt seine Leser dazu mit in die Kathedrale hinein, beschreibt ihnen seine mathematischen Messungen, die er durchführt und zeigt dabei, wie er den Davidstern findet. Ist das ein Hinweis auf jüdische Bauherren?

Als Wabbel die Kathedrale verlässt trifft er auf einen Physiklehrer, der einen Geigerzähler in der Hand hält. Beide Männer kommen miteinander ins Gespräch und der Lehrer Chmiel berichtet von seinen Messungen, in denen er Radioaktivität feststellt. Überall in Europa kann Radioaktivität nachgewiesen werden, lediglich an einer Stelle, direkt an der Kathedrale misst Chmiel 0, 00 Millisievert.

Daran schließt sich der Hauptteil des Buches an. Wabbel und Chmiel erkunden alle Bereiche der Kathedrale. Der Leser muss eine gehörige Portion an Vorwissen mitbringen um allen Ausführungen und zum Teil lockeren Dialogen der beiden Männer folgen zu können. Egal ob mathematisches, biblisches, philosophisches oder auch architektonisches Wissen, hier wird vieles vom Leser erwartet . . .

Eindeutig zu bemängeln sind die leider viel zu kleinen Fotos im Buch. Auf den schwarz weiß Fotos sind gelegentlich nicht einmal Details zu erkennen, die Wabbel oder Chmiel beschreiben, dies ist sehr schade.

Das Buch ist eine ideale Mischung aus Sachbuch und romanhaftem Dialog, vielleicht eine kleine Verbeugung an den großen Platon, der seine Thesen ja auch in Dialogform unters Volk brachte. Es gibt Zitate über die man lange nachdenken kann und über die im Buch auch gesprochen werden. Ein Beispiel: "Durch die Wissenschaft wird erst der Glaube an Gott ermöglicht - nicht umgekehrt."

Den Höhepunkt des Buches meistert Tobias Daniel Wabbel ganz allein. Er steigt in die Gruft hinunter in der keine Radioaktivität festgestellt werden kann und in der Moses Gesetzestafeln vermutet werden . . .

Es ist anstrengend, weil schwer zu lesen, mit Wabbel auf Erkundungsreise zu gehen, aber ich fühle mich nach der Lektüre reich beschenkt!

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-06567-0, Preis 19, 99 EuroT

Tobias Daniel Wabbel fand nun Zeit buecherveraendernleben folgende Fragen zu beantworten:

Autor Tobias Daniel Wabbel

(Copyright Wabbel)

Lieber Herr Wabbel, eine große Templer - Kathedralen - Fangemeinde hat bereits auf Ihr Buch gewartet. Wie und wann haben Sie sich mit diesem spannenden Thema infiziert?


Es war im Jahre 1994, als ich erstmals auf dem Weg in die Bretagne in Chartres halt machte. Ich fragte mich damals, wie ein solch gewaltiges Bauwerk innerhalb einer so kurzen Zeit von 26 Jahren entstehen konnte. Wer war dafür verantwortlich? Woher kamen die ungeheuren Summen? Also fuhr ich immer wieder nach Chartres. Je mehr ich recherchierte, um so offensichtlicher wurde es, dass es sich bei der Kathedrale von Chartres um einen ganz besonderen Sakralbau handelt, der mehr ist als nur ein Ort, um Gottesdienste abzuhalten und in Gebeten mit Gott zu sprechen. Es ist ganz eindeutig eine gotische Manifestation des salomonischen Tempels in Jerusalem, wo einst die Bundeslade und die anderen jüdischen Schätze aufbewahrt wurden. Die nächste Frage, die sich stellte, war, warum der Orden der Tempelritter eine Kopie des salomonischen Tempels in Gestalt des gegenwärtigen Bauwerks in Auftrag gab. Verschlüsselte der Templerorden sein geheimes Wissen in der Kathedrale? Ist in Chartes ein biblischer - und auch intellektueller Schatz - verborgen? Ganz eindeutig: ja. Es ist gewaltig.

 An einer Stelle Ihres Buches schreiben Sie von einer Szene in der Sie die uralten Mauern ganz einfach berühren. Was fühlen Sie in so einem Moment? Spricht die Templerkathedrale mit Ihnen?

Ganz klar: ja. Viele Menschen, mit denen ich über Chartres gesprochen habe, sagten ganz erstaunt: "Tatsächlich, ich habe niemals die Kathedrale berührt. Das muss ich auch machen." Wenn ich die Kathedrale berühre, sagt sie mir, dass in jedem Quadratmeter Stein eine ungeheure architektonische und steinbildhauerische Meisterschaft steckt. Chartres ist ein gewaltiges Kunstwerk. Jedes schöne Kunstwerk bewegt mich. Das Berühren zeigt mir, wie gewaltig die Anstrengung war, die in diesem Bau steckt. Wer schon mal eine Skulptur aus Stein gehauen hat, weiß, wie schwierig und komplex diese Arbeit ist.


Beim Lesen dachte ich hin und wieder, hoffentlich erwartet der Autor nicht zuviel von seinen Lesern. Bibelfest sollte man schon sein, in Mathe auch nicht allzu oft gefehlt haben, die großen Philosophen kennen und von Architektur auch schon mal etwas gehört haben. Kennen sich die Fans der Templerkathedrale auf all diesen Gebieten aus?


Mir ging es genauso, als ich erstmals vor der Kathedrale stand. Wie der sprichwörtliche "Ochse vorm Berg". Als ehemaliger Mathematik-Krüppel in der Schule hätte ich es mir niemals träumen lassen, wieder die Geometrie oder Trigonometrie anwenden zu können. Die Kathedrale hat meinen Spaß an diesen wissenschaftlichen Disziplinen neu geweckt. Die Kathedrale weckt vieles: auch das Interesse an der Bibel, an der Philosophie. Das ist eines der großen Erkenntnisse meines Buches: in Chartres steckt nicht nur biblisches Wissen, sondern vor allem Philosophisches. Je mehr Geheimnisse ich der Kathedrale entlocken konnte, in dem ich über diese Aspekte recherchierte und las, um so notwendiger wurde es, sich mit Geometrie oder Philosophie zu beschäftigen. Ich denke, das wird im Buch transparenter als in jedem trockenen Mathematik-Unterricht in der Schule. Es ist praxis-bezogen. Schule ist graue Theorie. Nur so versteht man die Kathedrale. Man kann die Kathedrale als Ganzes sehen, wenn man vor ihr steht, aber auch in ihre Einzelteile in Form von architektonischen Maßen auf der Basis des goldenen Schnitts zerlegen. Das Detail wie auch das Ganze greifen in Chartres eineinander über. Der Mikro- wie der Makrokosmos.


Als Sie nach einem ersten Rundgang die Kathedrale verlassen, treffen sie den Physiklehrer Herrn Chmiel, war das wirklich Zufall oder ist diese Figur vielleicht nur eine fiktive Gestalt?

Herr Chmiel ist wirklich existent. Er ist Rektor an einer Schule im Ruhrgebiet und beschäftigt sich seit einigen Jahren mit gotischen Kathedralen. Wir tauschen unser Wissen aus. Wir sind inzwischen sehr gute Freunde.

Wie geht es weiter mit Ihnen und der Templerkathedrale?

Ich hoffe, die Wissenschaft erbarmt sich und nimmt meine Forschungsergebnisse unter die Lupe, um zu schauen, ob nicht wirklich die Bundeslade in Laon und die Gesetzestafeln in Chartres verborgen sind. Alles spricht dafür, den historischen Belegen zufolge. Ich werde weiter forschen und nach Chartres fahren und all die anderen Kathedralen in Frankreich untersuchen. Das nächste Buchprojekt wird allerdings ein Roman werden und sich auch mit geschichtlichen Themen befassen.

Herzlichen Dank für das interessante Gespräch!

Über dieses Buch könnt Ihr gern auch auf unserer Facebookseite reden:

http://www.facebook.com/pages/B%C3%BCcherver%C3%A4ndernleben/302273256481601?v=wall

 

 

Nach oben