Ildefonso Falcones:  Die Pfeiler des Glaubens

 

Mehrere Jahre hat der begnadete Erzähler Falcones an seinem neuen Buch gearbeitet. Er hat ein Werk geschaffen, dass die Kraft besitzt aus sich feindlich gegenüberstehenden Religionen Brüder werden zu lassen, die gut miteinander leben können.

Der Autor geht in seinem Werk zurück bis in das 16. Jahrhundert als in Spanien sich Muslime gegen Christen erhoben. Damit weitet der Autor unseren Blick und zeigt uns, wie weit unsere Probleme mit dem Islam in Europa zurückreichen. In der Geschichte gibt es den Satz: Erst wenn du die Geschichte kennst, kannst du die Zukunft meistern. Dieser Satz beinhaltet eine uralte Weisheit.

Hernando wird zur wichtigsten Romanfigur. Er ist das Ergebnis einer Vergewaltigung. Ein christlicher Pfarrer hatte einst Hernandos Mutter Aischa vergewaltigt. Der bei den Muslimen lebende "Christenbastard" Hernando spürte von klein auf an, dass er zwischen den Fronten stand.

Sein Stiefvater lies ihn im Stall bei den Maultieren wohnen, nur seine Mutter kümmerte sich um ihn, brachte ihm Essen und Verständnis.

Hernando steht sein ganzes Leben lang zwischen den beiden großen Bevölkerungsgruppen der damaligen Zeit. Zwangsgetaufte Muslime machten sich kampfbereit um sich an den Altchristen zu rächen. Ihre Wut war im Verlaufe der letzten Jahre ins unermessliche gestiegen. Sie mussten auf ihre traditionelle Kleidung verzichten und durften nicht mehr arabisch sprechen.

So farbig und lebendig wie Falcones auch schreibt  -  sehr oft denke ich beim lesen an die gegenwärtige Situation in Europa. Längst ist es Praxis geworden: Muslime müssen deutsch reden und auch das Burkaverbot gibt es bereits in Frankreich.

Immer wieder kommt es zu kämpfen, immer wieder sterben Tausende. Hernando steht ängstlich beobachtend dabei und sieht wie Muslime auf Altäre urinieren, Kirchenglocken aus den Türmen holen und mit Beilen Heiligenbilder zerstören. Seine eigene Mutter stach mit einem Dolch unzählige Male auf einen Pfarrer ein.

Hin und hergerissen ist Hernando. Ebenso sieht er die Grausamkeiten der Christen. Er will nicht verstehen warum es dieses Gegeneinander der Religionen gibt. In der Historie endet der Kampf der Religionen mit der Vertreibung der Muslime.

Für mich ist dieser Roman viel mehr als ein historischer. Wir haben heute in Europa wieder beide Religionen und stehen uns wieder feindlich gegenüber. Schonungslos hält Falcones uns einen Spiegel vor. Wir müssen heute auf beiden Seiten beweisen, dass wir lernfähig sind.

Der Autor gibt uns in seinem sehr gut recherchierten Buch geschichtliche Fakten an die Hand - an uns liegt es heute zu zeigen was wir gelernt haben. Für mich gibt es zum friedlichen Miteinander keine Alternative, dies müssen beide Seiten begreifen, dieses Buch kann dazu beitragen, Ildefonso Falcones hat es für die Gegenwart geschrieben.

 

Christian  Döring

 

C. Bertelsmann, ISBN 978-3-5701-0045-5, Preis 24, 99 Euro

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