Bruno Bandulet:   Die letzten Jahre des Euro

Auf ungewohnt offene Art und Weise wird dem Leser in diesem Buch Einblick hinter die Kulissen von Finanz - und Wirtschaftsmärkten gewährt. Zum Teil ist es erschreckend wie die Wissenschaftler vor Jahren bereits vor Fehlentwicklungen gewarnt haben und wie nun mitzuerleben ist, wie diese Vorhersagen auch eintreffen.

Dr. Bruno Bandulet kann wohl als Eurokritiker der ersten Stunde bezeichnet werden. In seinem Buch beschreibt er die heikle Karriere des Euros in mehreren Kapiteln:

In die Zeit da die Euroeinführung geplant wurde, geht das erste Kapitel zurück. Der damalige Bundesbankpräsident  Welteke wurde beispielsweise gefragt warum es zum Euro keine Volksabstimmung geben könnte. Einfache, aber ehrliche Antwort von ihm: "Sie wäre negativ ausgegangen." Da schüttel ich als Leser nur den Kopf und erinnere mich noch daran, dass diese ehrliche Antwort nicht mal von einem superehrlichen Politiker kam. Welteke stolperte wenig später über eine Spesenaffäre und ging und wurde nicht mehr gesehen.

Im zweiten Kapitel erfährt der Leser wie Geld produziert wird und warum wir uns ab sofort an Krisen zu gewöhnen haben. Krisen, wie die Finanzkrise oder die Griechenlandkrise, so der Autor, werden ab sofort zu unseren ständigen Begleitern gehören.

Wenn das alles stimmt, was ich im dritten Kapitel über die Herren Kohl und Waigel zu lesen bekomme, dann frage ich mich, sind wir eigentlich schon eine Bananenrepublik oder ist das wirklich Politik was dort beschrieben wird?

Im nächsten Kapitel erinnert der Autor uns daran, dass wir selber, die harten Eurokriterien gebrochen haben. Da fragt man sich schon als Leser, warum beschließt der Bundestag erst so hohe Kriterien für den Euro und es geschieht dann nichts wenn sie kurze Zeit später gebrochen werden?

Über den verdeckten beziehungsweise ganz offen geführten Währungskrieg zwischen Dollar und Euro, der Anfangs gar nicht so schlecht für den Euro aussah, informiert Dr. Bandulet im 5. Kapitel.

Im darauffolgenden Kapitel kommen dann bekannte Persönlichkeiten zu Wort, die von Anfang an Gegner des Euros waren. So meinte beispielsweise Prof. Giersch 1989, als Präsident des Instituts für Weltwirtschaft: "In einer offenen Gesellschaft, in der die Anleger Alternativen haben, ist ein Wechsel von einer guten zu einer eher fragwürdigen Währung ein Wagnis ohne Beispiel." Auch an dieser Stelle frage ich mich: Warum hören Berufspolitiker so selten auf Wissenschaftler?

Im letzten Kapitel beschreibt der Autor den heutigen Ist - Zustand. Er denkt über die Rückkehr der D - Mark nach und er fragt wie lange eine Demokratie gegen den Volkswillen regieren kann.

Dieses Buch zeigt noch einmal mit sehr klaren Worten was geschieht wenn das Projekt Euro schief geht.

 

Christian  Döring

 

Kopp Verlag, ISBN 978-3-942016-35-3, Preis 19, 95 Euro

 

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