Eugene Rogan:  Die Araber

Dieses Buch war endlich mal mehr als nur die heute übliche Momentaufnahme über den Arabischen Frühling oder über das untergehende Ägypten des Hosni Mubarak. Hier hat der Autor seinen Blick bereits Jahrhunderte vorher angesetzt.

So lerne ich den Albaner Muhammad Ali Pascha kennen, der im 19. Jahrhundert über 40 Jahre lang in Ägypten herrschte und sein Riesenreich begründete, dass selbst Syrien und die Insel Kreta umfasste. Eugene Rogan stellt mehrere dieser einst politisch Mächtigen nicht nur mit ihrem Bild vor und plaudert beinah romanhaft aus deren Leben, er analysiert auch brilliant was sich aus den Aktivitäten der jeweiligen Mächtigen ergab und was zum Teil heute noch Bestand hat und sei es nur im Denken der Menchen. Deutlich wird mir beim Lesen noch einmal, dass es den Araber genau so wenig gibt, wie es glücklicherweise den Europäer bis heute nicht gibt.

So arbeitet sich der Historiker langsam in 14 Kapiteln bis zur Gegenwart vor und ich fühle mich gut auch über die Geschichte informiert. Stellenweise komme ich mir vor, als breite jemand den geschichtlichen Reichtum, ja die Identität einer ganzen großen Region vor mir aus.

Selbstverständlich kommt er nicht umhin solche Themen wie Öl und arabischen Nationalismus zu behandeln, aber immer wieder spricht Rogan die arabische Sichtweise an, die geprägt ist von der Jahrhunderte alten Erfahrung oft nur europäische Kolonie sein zu dürfen. Egal ob nun in der Revolution oder den terroristischen Aktionen habe ich desöfteren beim Lesen das Gefühl, dass nun nach Jahrhunderten die Welle der Aktionen mal auf Europa zurückschlägt.

Für mich war dieses Buch eine sehr gute zeitlose Informationsquelle!

Propyläen, ISBN 978-3-549-07425-1, Preis 26, 99 Euro

 

Nach oben