Georg Milzner:   Die amerikanische Krankheit

 

So wie Erfurt und Winnenden untrennbar für uns Deutsche mit dem Wort Amoklauf verbunden sind, so ist das Wort anderswo mit Littletown und Binghanton verbunden. Überall dort hat sich eine unfassbare Tragödie abgespielt, bei der Menschen ums Leben kamen, weil ein Amokläufer es so beschlossen hatte.

Milzner stellt in diesem Versuch einer Betrachtung wie es zu solchen Ereignissen kommen kann, nicht den Täter in den Fokus, sondern unsere moderne Gesellschaft die er als "zerbrechende Gesellschaft" bezeichnet. In seiner Krankenstudie Amoklauf schaut er oftmals nach Amerika hinüber, zieht Rückschlüsse auf das was uns konkret in Deutschland betrifft und benennt den Amoklauf als amerikanische Krankheit, die widerum auf eine immer mehr zerbrechende Gesellschaft zurückzuführen ist.

Äußerst interessant sind dabei seine geschichtlichen Ausflüge, er betreibt eine sehr fundierte Ursachenforschung. Er definiert das Wort Amok - Amuk und es ist erstaunlich wo der Leser dann landet.

Nachdem der Diplom - Psychologe kritisch die unklare Rolle der Psychopharmaka beleuchtet hat und auch die Frage ob Mobbing eine Ursache für einen Amoklauf sein kann gestellt hat, stellt er den Amoklauf immer mehr in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext und spätestens da beginnt er uns alle zu betreffen.

Spannend wie ein Krimi lesen sich die Seiten auf denen Georg Milzner die sich verändernde Gesellschaft einerseits und den Amokläufer andererseits miteinander vergleicht. Erstaunlich welche nachvollziehbaren Schlüsse der Autor zieht. Dringend fordert er Maßnahmen die ein gesellschaftliches Klima schaffen, in dem der Amoklauf sich selbst aufhebt. Nach Auffassung von Georg Milzner kann das gelingen.

 

Christian  Döring

 

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-06871-8, Preis 17, 99 Euro

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