Colson Whitehead:  Der letzte Sommer auf Long Island

 

Von Sommer zu Sommer trifft sich auf Long Island die Mittelschicht. Die beiden Helden des Buches Ben und Reggie treffen Bekannte wieder, reden über Klamotten und die neueste Musik.

Aber in diesem Ferienparadies werden sie auch schon mal für Diplomatensöhnchen eines afrikanischen Regierungsvertreters gehalten, nur weil sie gut angezogen waren. In der Frage des Mannes schwang mit, warum sollten sich Schwarze sonst gut anziehen.

In diesem Buch schwirrt mir nicht nur die Sehnsucht nach einem verloren gegangenen Kinderparadies um die Ohren, hier begegnet mir auch amerikanische Innenpolitik der 70er und 80er Jahre. Spannend ist es für mich mitzuerleben wie das Verhältnis zwischen den Bevölkerungsgruppen beschrieben wird. Die Ehrlichkeit des Autors wird besonders an den Stellen sichrbar, an denen er gesteht er müsste eigentlich Farbige kennen die längst die Rechte erkämpft haben, in denen sich der Autor längst sonnen darf.

Das vorliegende Buch beschreibt eine Zeit die unwiderbringlich vorbei ist. Der Leser spürt dies, legt das Buch dennoch nicht weg. Nostalgie und Wehmut machen sich beim Lesen in mir breit, auch wenn ich nie Long Island betreten habe.

Jeder Leser kann sich in Colson Whitehead hineinversetzen, in seine Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies. An solchen Romanen wird deutlich wie Zeit sich und die Menschen verändert. Da wo uns Geschichte berührt und wir den Hauch von Vergänglichkeit spüren, da können wir uns der Faszination von Colson Whitehead nicht entziehen.

Einer Entführung gleich habe ich mich dem Autor anvertraut und habe sein Buch in mich aufgesogen. Es war ein Genuss!

 

Hanser, ISBN 978-3-446-23644-8, Preis 21, 90 Euro

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